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Vulkanologische Beobachtungen an der Deutsch-Ostafrikanischen Mittellandbahn

Scholz, E.

Kurzfassung

Unter obigem Titel veröffentlicht Herr Hans Reck in der ,Zeitschrift für Vulkanologie", Bd. I, Heft 2, S. 78-86, einige Notizen aus seinem Tagebuch, die nach seiner Meinung ,einige Beobachtungen von vulkanologischem Interesse enthalten". Und zwar will Herr Reck nunmehr im Gebiet der Deutsch-Ostafrikanischen Zentralbahn bislang noch unbekannte Betätigungen eines jugendlichen Vulkanismus entdeckt haben. Ich kenne nun die von Herrn Reck in den Kreis seiner Betrachtungen gezogenen Gebiete genau genug und finde auch in der Literatur darüber genügend Anhaltspunkte, um mich berufen zu fühlen, die Recksche Abhandlung einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Leider muß ich Herrn Recks Ausführungen aber auch fast in allen Punkten widersprechen und so die von ihm an seine Entdeckungen geknüpften Hoffnungen auf die Möglichkeiten einer näheren Altersbestimmung der tektonischen Brüche usw. zerstören. Ehe ich zu dem Wichtigsten komme, muß ich dagegen Verwahrung einlegen, daß Reck wiederum die Existenz eines ,Grabens" in der Breite von Dodoma voraussetzt. C. Uhlig (Geograph. Zeitschrift XIII) hat bereits im Jahre 1907 nachgewiesen, daß etwa am Nordende des Großen Natron-Sees an der deutsch-englischen Grenze der ,Gr. Ostafr. Graben" aufhört und der ehemalige Westrand des Grabens einseitig als Bruchstufe weiter verläuft. O.E. Meyer (Die Ostafr. Bruchstufe südlich von Kilimatinde) betonte 1912, daß es unmöglich gewesen sei, in der fraglichen Breite einen Ostrand des Grabens irgendwie festzustellen. Und wenn Obst 1911 (Von Kilimatinde durch die Landschaft Turu nach Mkalama in Mitt. Geogr. Ges. Hamburg XXV, 1911) mehrfach von einer Grabensohle redet, so verdeutlicht er doch seine eigentliche Auffassung dadurch, daß er dieses Wort in Anführungszeichen setzt, und, wenn ich ihn recht verstehe, will er dadurch nur eine kurze Bezeichnung für die Gebiete am Fuße der Bruchstufe haben. - Diese Auffassung von der Tektonik ist längst Gemeingut der wissenschaftlichen geologischen Literatur geworden (Suess: Antlitz der Erde III, Koert: Ergebnisse der neueren geologischen Forschungen in den deutsch-afrikanischen Schutzgebieten, usw.), und es erscheint mir nicht angängig, sie wieder in entgegengesetztem Sinne einzuführen - es sei denn, daß für diese gegenteilige Auffassung treffende Beweise gebracht würden. Ich vermute, daß Reck sich durch die Längenprofilkarte der Bahnstrecke zu der unberechtigten Annahme eines ,Grabens" hat verführen lassen. ...