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Zur Frage der Kar-Entstehung

Frech

Kurzfassung

Nach R. Lepsius soll der Unterzeichnete ,den Circus durch eine rotierende Bewegung der im Kar zusammenfließenden Gletscher" haben entstehen lassen. Doch liegt dem, wie es scheint, ein Mißverständnis meiner früheren Angaben (Zeitschr. d. Ges. f. Erdkunde, Berlin 1892, S. 367-370) zugrunde. Hier resümierte ich zunächst die damals (1892) bestehenden Anschauungen dahin, ,daß das Kar, wie sich hieraus ergibt, eine durch die erodierende Kraft des Gletschereises erzeugte Oberflächenform sei". Aber diese Angabe entsprach gar nicht meiner eigenen Anschauung, sondern derjenigen F. von Richthofens und A. von Böhms, dessen Erklärung ich wörtlich unmittelbar vorher zitiert hatte. Ich schränkte vielmehr auf den folgenden Seiten (369-370) die Arbeit der Gletschererosion auf diejenigen Gebirgszonen ein, wo Gesteine verschiedener Härte aneinandergrenzen: ,Die Kare liegen häufig; an Stellen, wo infolge normaler Wechsellagerung oder infolge von Gebirgsstörungen Gesteine verschiedener Härte, etwa Kalk und Schiefer, unmittelbar aneinandergrenzen: der Boden des Kars besteht dann meist aus dem weicheren Gestein, während die Wände aus Kalk zusammengesetzt sind." ,Am genauesten entspricht die Oberflächenform der geologischen Zusammensetzung an dem Würmlacher Alpl. Der untere Talboden und der Anstieg zur oberen Stufe liegen ganz im Schiefer, dessen Grenzen fast genau mit dem Fuße der Wände zusammenfallen; auf dem oberen Talboden besteht nur noch eine wenig ausgedehnte Fläche aus Schiefer. Hier hat die Erosion des Eises und vor allem die spätere Verwitterung bereits tief in die Kalkwände des Pollinigg eingegriffen." ,In ähnlicher Weise ist offenbar der kleine Stuckensee gebildet worden, welcher in gleicher Höhenlage im obersten Abschnitt des Leitentales inmitten einer wohlausgeprägten Rundhöckerlandschaft liegt. Auch hier ist der Einfluß der Gesteinsbeschaffenheit auf die Seenbildung unverkennbar. ...