Original paper

Über den geologischen Bau Nordwestdeutschlands

Haarmann, Erich

Kurzfassung

Über den geologischen Bau Nordwestdeutschlands, soweit es das Gebiet der saxonischen Faltungen umfaßt, sind in den letzten Jahren widersprechende Ansichten veröffentlicht worden; einerseits nannte man das Gebiet ein Schollengebirge, dessen Schollen lediglich durch Sprünge oder Dehnungsverwerfungen (De Margerie und Heim) voneinander getrennt sein sollten und dessen Entstehung daher auf eine Zerrung der Erdrinde zurückgehen mußte, wodurch das Absinken einzelner Schollen ermöglicht wurde, andererseits glaubte man die Wirkungen seitlichen Zusammenschubs nachweisen zu können, der naturgemäß mit Verkürzung der Erdkruste im Querschnitt verbunden gewesen sein muß. Ist dies letzte richtig, 30 sind in den Querprofilen Pressungsverwerfungen (= Kompressionsverwerfungen De Margerie und Heim) zu erwarten. Mit andern hat besonders Stille die Ansicht von der Faltung, d. h. der Zusammenstauchung, des nordwestdeutschen Bodens vertreten. Seine Profile aber, die in Übereinstimmung damit eine Raum Verkürzung infolge der Schichtenstörungen hätten aufweisen müssen, zeigen im Gegenteil eine Ausdehnung, was Lachmann dazu benutzte, um unter Anerkennung der Stillechen Profile die Unrichtigkeit von dessen Ansichten nachzuweisen. Es ist aber zu bedenken, daß, wie der kartierende Geologe im allgemeinen, so auch Stille wohl den Verlauf der Verwerfungen an der Erdoberfläche festlegen, selten aber sicheres über ihr Einfallen erfahren konnte. In hügeligem Gelände gibt für dieses oft der Verlauf der Brüche einen Anhalt, der besonders dann beachtenswert ist, wenn die Verwerfungen längs den Hängen und Erhebungen mit einer gewissen Regelmäßigkeit vom Berge ausgebogen (wie die Höhenlinien) oder zu ihm eingebogen sind. Die sichersten Aufschlüsse über das Einfallen der Brüche geben allerdings Bergwerke, und von der Untersuchung solcher - an der Ibbenbürener Bergplatte bei Osnabrück - bin ich ausgegangent. Dieser Gebirgsaufbruch bildet eine flache, 15 km lange und bis 5 km breite Erhebung, deren Längsachse westnordwestlich, parallel den Hebungslinien im Osning-Wiehengebirge gerichtet ist.