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Solenopora im oberdevonischen Kontaktkalk von Ebersdorf bei Neurode in Schlesien

Gürich, G.

Kurzfassung

Da durch Lepsius in seiner neuen Lieferung der Geologie Deutschlands die Frage nach dem Alter des Gabbro von Ebersdorf wieder berührt wurde, nahm ich Veranlassung, meine Handstücke von 1902-1907 noch einmal zu prüfen. Aus einer Reihe von Dünnschliffen geht hervor, daß einmal die Bank des Kalkes, die unmittelbar auf der Gabbroklippe aufruht, und eine Bank, tiefer im Bruche gelegen, Gabbrobruchstücke enthält. Die Gabbroklippe ragte also als Fels im Oberdevonmeere empor, bis wohl nahe an die Meeresoberfläche. Das kalkige Sediment, das darauf sich niederschlug, ist erfüllt von Schälchen, Bruchstücken von Crinoiden, Tabulaten, Cyathophylliden, Stromatoporen und von kleinen Knöllchen von sehr wohl erkennbaren Solenoporen, wie sie in letzter Zeit von Yabe und Rothpletz abgebildet wurden. Ich werde später darauf zurückkommen. Heute sei nur noch einmal darauf hingewiesen, daß demnach der Gabbro sicher älter ist als das Oberdevon von Ebersdorf, daß sogar höchst wahrscheinlich die Gabbroklippe als ein Erosionsrest in das Oberdevonmeer hineinragte, also ein erheblich höheres Alter haben muß. Wenn Tannhäuser in dem Sitz.-Ber. d. K. Ak. d. Wiss. Berlin 1907 von einer kontaktmetamorphen Veränderung des Kalkes, hervorgerufen durch das emporbrechende Gabbromagma, spricht, so könnte sich dies nur auf die Bänke des Kalkes beziehen, die älter sind als die oben erwähnte gerölleführende Bank, und von denen ich früher geschrieben hatte, daß sie am Gabbro abstoßen müßten. Ich habe den Aufschluß in seiner besten Zeit wiederholt besucht, habe aber keine Spur von Kontaktmetamorphose gesehen, sondern nur Kalkspatgänge, die sowohl in den Devonkalk wie in den Gabbro hineinsetzen. Nach Tannhäusers Auffassung soll eine untere Reihe von Bänken in einer anscheinend ohne wesentliche Unterbrechung aufeinander abgelagerten Schichtenfolge durch empordringendes Magma kontaktmetamorph verändert worden sein, dieses Magma wäre sofort in Form eines grobkörnigen Gabbros erstarrt und hätte ebenso unmittelbar darauf das Material für die Geröllbank über den metamorphosierten Bänken abgegeben. Diese Auffassung ist an sich höchst unwahrscheinlich; die Existenz des Kontaktkalkes bezweifle ich. Ich halte deswegen nach wie vor den Gabbro für erheblich älter als Oberdevon.