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Mitteilungen über Wirbeltierreste aus dem Mittelpliocän des Natrontales (Ägypten)

Stromer, Ernst

Kurzfassung

4. Fische: a) Dipnoi: Protopterus. Bei der Beschreibung der ersten fossilen Gebißreste von Lepidosirenidae aus den oligocänen Qatrani-Schichten Ägyptens suchte ich (1910, 8. 613 ff.) zunächst die systematische Bestimmbarkeit rezenter Gebisse festzustellen. Ich fand, daß Arten sich darnach kaum mit Sicherheit trennen lassen, daß sich aber der südamerikanische Lepidosiren von dem afrikanischen Protopterus in folgendem unterscheidet. Bei Lepidosiren ragt der Processus antorbitalis palatini weniger stark seitlich und endet die erste Zahnkante des Palatinum gewöhnlich ungefähr rechtwinklig, während bei Protopterus jener Fortsatz sehr spitzwinklig nach der Seite ragt, und die erste Zahnkante vorn ein nach unten spitzes Eck bildet. Am Spleniale ist bei Lepidosiren die erste Zahnkante basalwärts anscheinend niemals stark verdickt, der Sockel der zweiten ragt mäßig, der der dritten Kante ganz wenig seitlich, die Furche für den Meckelschen Knorpel, die ich Sulcus externus ossis splenialis nennen mochte, ist bis unter den Sockel der zweiten Zahnkante scharf begrenzt, und der Kronfortsatz endet oben meistens spitzwinklig. Bei Protopterus ist die erste Zahnkante oft zu einem Kegel verdickt, der Sockel der zweiten ragt wenig, der der dritten gar nicht seitlich vom Kieferrand; jene Furche ist weniger scharf begrenzt und reicht nach vorn höchstens bis unter den Sockel der zweiten Kante, und der Kronfortsatz endet oben allermeist breit gerundet. Danach mußte ich die oligocänen Gebißreste als solche von Protopterus aff. annectens Owen, Pr. aff. aethiopicus Heckel, Pr. libycus nov. spec. und Lepidosiren aff. paradoxa Natterer bezeichnen. Ich vermutete aber, daß der im Kongogebiet lebende Protopterus Dolloi Boulenger wie in seiner äußeren Gestalt und seiner Rippenzahl, so auch im Gebiß zwischen den zwei Gattungen vermittele. ...