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Neue Beobachtungen in den Kreidegruben von Finkenwalde bei Stettin über Untereocän, Paleoeän? und Interglazial,

Gagel, C.

Kurzfassung

Die großartigen Schichtstörungen in der Kreide und im ,Septarienton" von Finkenwalde bei Stettin sind schon öfter Gegenstand schriftlicher und bildlicher Darstellungen gewesen, besonders von seiten F. Wahnschaffes und Fr. Frechs. Nach der am besten begründeten Darstellung F. Wahnschaffes liegt hier eine großartige, durch das Inlandeis bewirkte Aufstauchung, Faltung und Überkippung von Kreide, Tertiär und älterem Diluvium vor, unter Überschiebung des ganzen gestauchten und überkippten Komplexes auf älteres Diluvium, während diskordant darüber das jüngere Diluvium liegt. Als Schichten, die an dieser großartigen Überfaltung teilgenommen haben, werden Obersenon, unteroligocäne Knollensteine (Süßwasserquarzite) und Grünsande, mitteloligocäner Rupelton (Septarienton), Unterer Geschiebemergel, Unterer Sand und Kies nebst einer Konglomeratbank angeführt. Bei mehrfachen Besuchen, die ich im Laufe der Jahre auf der Suche nach untereocänen Schichten den prachtvollen Aufschlüssen abstattete, die allerdings in den Tonpartien meist stark verstürzt sind, war ich zu der Überzeugung gekommen, daß hier außer dem Rupelton noch andere - kalkfreie, schwarze - Tertiärtone mit verfaltet seien, und aus einer persönlichen Angabe Gottsches über merkwürdige Geoden von Finkenwalde im Hamburger Museum und aus Aufsammluugen meines Kollegen P. G. Krause schloß ich auf die Anwesenheit von Eocän doch wollte mir ein einwandfreier Nachweis dafür an Ort und Stelle bisher nicht gelingen. Im Herbst dieses Jahres 1914 waren infolge vorgenommener großartiger Abräumungsarbeiten die Aufschlüsse besonders schön und gestatteten eine ganze Anzahl neuer Beobachtungen, die über manche bisher strittige Fragen neues Licht und Entscheidung zu bringen, Gelegenheit gaben. Um die Resultate meiner Beobachtungen gleich vorweg zusammenzufassen, so sind es folgende: 1. Der angebliche Septarienton von Finkenwalde ist kein einheitliches Gebilde, sondern eine großartige Quetschbreccie von grünlichgrauem, kalkhaltigem, typischem Rupelton mit Septarien von schokoladenfarbigen, kalkfreien, typischen Braunkohlentonen bzw. Letten wahrscheinlich miocänen Alters ...