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Das Diluvium der Umgebung von Leipzig mit besonderer Berücksichtigung der Paläolithfundstätte von Markkleeberg

Werth, E.

Kurzfassung

Das Leipziger Diluvium hat in den letzten Jahren durch die schönen Paläolithfunde von Markkleeberg ein besonderes Interesse und eine erhöhte wissenschaftliche Bedeutung gewonnen. Neben Weimar dürfte Markkleeberg heute als die ergiebigste paläolithische Station im Gesamtgebiete der nordeuropäisch-skandinavischen (diluvialen) Vergletscherung zu gelten haben. An Versuchen, das geologische Alter der Markkleeberger Fundschichten zu bestimmen, hat es nicht gefehlt. R. R. Schmidt verlegte die Funde in das letzte Interglazial. Da er bei dieser Bestimmung jedoch von der falschen Voraussetzung ausging, daß dieselben aus den (von Geschiebelehm überlagerten) Sanden und Schottern der ,Grube hinter der Schule" in Markkleeberg stammen, diese Sande und Schotter aber wirklich niemals Artefakte geliefert haben und überdies ganz zweifellos als präglaziale bzw. miocäne Sande aufzufassen sind, so erübrigt es sich, näher auf diese Ansicht einzugehen. Überdies hat sowohl F. Wiegers wie C. Gagel die Schmidtsche Altersbestimmung zurückgewiesen und die Funde dem vorletzten Interglazial bzw. einem älteren Interstadial (Gagel) zugezählt. K. H. Jacob ist geneigt, die Schichten auf Grund der paläontologischen Untersuchung der Fossilienschlüsse durch Schlosser-München und der Bestimmung der Artefakte als Moustérien ebenfalls in die letzte Interglazialzeit zu verlegen. In seiner letzten abschließenden, von dem um die Bergung und Konservierung der Markkleeberger Funde sehr verdienten Leipziger Völkerkunde-Museum herausgegebenen, Abhandlung betrachtet Jacob allerdings die geologische Altersfrage der Fundstücke noch keineswegs als gelöst und will ihre Klarstellung weiteren Untersuchungen überlassen. Zu dieser Zurückhaltung veranlaßte ihn wohl vornehmlich das Ergebnis seines geologischen Mitarbeiters Gäbert, der die Markkleeberger artefakteführenden Schotter zwischen die erste und zweite Vereisung der Leipziger Bucht, d. h. also wiederum in das vorletzte Interglazial, verlegt. ...