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Glazialablagerungen der mittleren Niederlande und ihre Beziehungen zum Diluvium der preußischen Rheinlande.

Keilhack

Kurzfassung

Seit der ersten geologischen Kartierung des Landes durch Staring im Maßstabe 1 : 200 000, die vor 50 Jahren stattfand, ist keine neue geologische Karte der Niederlande mehr erschienen, sondern nur eine Reihe von skizzenhaften Einzeldarstellungen, die in sich widerspruchsvoll sind und ohne weiteres eine Parallelisierung mit den Glazialablagerungen und Terrassen des preußischen Niederrheingebietes nicht gestatten. Die Geologische Landesanstalt hatte die Absicht, auf der für 1915 geplanten Ausstellung in Düsseldorf ein geologisches Relief des gesamten Rheinlandes auszustellen; um dieses Kartenbild auch für das Mündungsgebiet des Rheins geben zu können, hatte ich den Auftrag erhalten, die Niederlande zu bereisen und ein den neuzeitlichen Anschauungen entsprechendes Kartenbild anzufertigen. Die Niederlande lassen sich in geologischer Beziehung zwanglos in drei Teile zerlegen: Einen westlichen. Teil, der von einem Ungeheuern Alluvialland gebildet wird, das bis an die ausgedehnte, von Boulogne bis Wangeroog reichende, dünenbesetzte Nehrung sich erstreckt, aus einem jungdiluvialen, aus fluviatilen Aufschüttungen ohne glaziale Mitwirkung gebildeten südlichen Teil, der sich bis nach Belgien hinein erstreckt und aus einem aus glazialen Ablagerungen des skandinavischen Inlandeises zusammen mit fluvioglazialen Aufschüttungen des Rheins und der Maas gebildeten Teil, der den Norden und Osten des Landes einnimmt. Ich habe letzteres Gebiet nach Norden hin bis zur Vecht untersucht und lege die Ergebnisse in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 400 000 vor, die zugleich das preußische Gebiet am Niederrhein umfaßt. Das skandinavische Inlandeis hat den Rhein auf der Linie Nymwegen-Krefeld in zwei mächtigen, in sich noch mehrfach zerlappten Strömen überschritten, die sich in der Gegend von Emmerich und Elten scharten. Die äußerste Ausdehnung dieses Inlandeises wird durch mächtige Endmoränen gekennzeichnet, die sich von Nymwegen über Kleve und Kalkar entlang dem Südrand des Rheintals erstrecken, dann nach Süden umbiegen und, z. T. in zwei Staffeln, in der Gegend von Krefeld den Rhein wieder erreichen. ...