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Vergletscherung an den Teichen des Riesengebirges

Berg

Kurzfassung

Von der Kgl. Preußischen Geologischen Landesanstalt mit den Spezialaufnahmen im Riesengebirge betraut, hatte ich in letzter Zeit Gelegenheit, die einheimischen Glazialablagerungen des Riesengebirges sehr eingehend zu studieren. Leider konnten sich meine Studien bisher nur auf den Ostteil dieses Gebirges, also besonders auf die Teiche und den Melzergrund, erstrecken. Die Untersuchung der Moränengebiete an den Schneegruben sollte im Herbst 1914 durchgeführt werden, wurde aber leider durch den Krieg vereitelt. Natürlich habe ich mir aber bei früheren Gelegenheiten die Verhältnisse der Schneegruben schon einmal angesehen. Über die einheimische Vergletscherung des Riesengebirges liegen uns die wertvollen Untersuchungen von J. Partsch vor sowie ein Aufsatz von E. Werth in der Zeitschrift des Riesengebirgsvereines, in welchem einzelne Punkte der Partschschen Anschauungen modifiziert werden, und ich will gleich vorausschicken, daß auch meine Untersuchungen diese neueren Anschauungen im wesentlichen bestätigt haben. Für eine ausgedehntere Gletscherbildung, insbesondere für eine allgemeine Vereisung des ganzen riesengebirgischen Nordhanges bis ans Bobertal, wie sie G. Berendt annehmen zu müssen glaubte, und wie sie neuerdings Lepsius wieder behauptet, fanden sich keinerlei Beweise. Die Moränen an den Teichen: Die Ergebnisse der geologischen Aufnahmen in der Umgebung der Teiche, insbesondere die Stillstandslagen des Eises und die dadurch bedingten Endmoränenzüge, sind in schematischer Weise in Abb. 1 dargestellt. Bekanntlich finden sich die beiden Teiche am Boden zweier gewaltiger Karnischen, und die Wassermassen werden durch große Gerollwälle, Endmoränen, am Ausfluß aus den Karen gehindert. Es ist verschiedentlich versucht worden, die Endmoränennatur dieser Schuttwälle zu bestreiten, und in der Tat könnte man, wenn man nur diese letzte Staffel in Betracht zieht, auch von Sturzmoränen sprechen, denn die Höhe der Karbinterwand ist stellenweise bedeutender als die Entfernung des Trümmerwalles von dem Fußpunkt des Felsabsturzes. Es wird also, als diese Wälle entstanden, nur ein Firnfleck mit steilgeneigter Oberfläche das Kar erfüllt haben, und die Blöcke, die sich an seinem Vorderrand ansammelten, werden zumeist einfach von den überragenden Felszacken bis an den Fuß des Schneefeldes abgerutscht sein und sich dort zu moränenartigem Wall angehäuft haben. ...