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Der Mensch als geologischer Faktor.

Fischer, Ernst

Kurzfassung

Bei den heißen Vogesenkämpfen der Augusttage fiel im Gefecht bei Fréconrupt (1/2 Std.von Schirmeck) am 21. August 1914 der Verfasser dieses Aufsatzes Dr. rer. nat. Ernst Fischer, als Vizewachtmeister der Reserve beim Stabe des Reserve-Feldartillerie-Regiments Nr. 26 den Heldentod fürs Vaterland. Von den hinterlassenen Arbeiten war es die vorliegende, die dem Verstorbenen ganz besonders ans Herz gewachsen war. V. Hohenstein. Als Aufgabe der Wissenschaft im weitesten Sinne können wir die Erkenntnis des Menschen und seiner Umwelt bezeichnen. Man konnte vielleicht auch sagen, des Menschen überhaupt, sofern wir ja die Umwelt an sich nicht zu erkennen vermögen, übrigens, auch abgesehen vom rein erkenntnistheoretischen Standpunkte, die Dinge im allgemeinen sich um so klarer und vollkommener in unserem Intellekte zeigen, je einfacher und je deutlicher eben ihre Beziehungen zum Menschen sind. Als die Aufgabe der Gesamtwissenschaften bezeichnendes Motto könnte also über dem Tempel der Wissenschaft dasselbe alte Wort stehen, wie über dem Tempel des delphischen Gottes, des apollinischen Sehergottes Nehmen wir die Einteilung der Wissenschaften in Geistes- und Naturwissenschaften an, so gilt diese Teilung doch keineswegs in dem Sinne, daß die Geisteswissenschaften es mit dem Menschen, die Naturwissenschaften mit der nichtmenschlichen Natur zu tun hätten, vielmehr ist der Mensch auch Objekt der Naturwissenschaften und besonders insofern, als er einmal durch seine Organisation, sodann auch als Leidender oder als Wirkender mit der Umwelt aufs engste verknüpft ist. Wie nun unsere gesamten Wissenschaften ihre Entstehung und ihre Pflege nicht sowohl einer planmäßig geordneten Folge verdanken, sondern großenteils durch die fördernden und hemmenden Einflüsse der Praxis in ihrer Entwicklung bedingt oder doch beeinflußt worden sind man vergleiche nur zum Beispiel die Anatomie des Menschen und der Tiere -, so gilt dies auch von der Erforschung des Menschen als eines Faktors im Ablauf der von ihm beeinflußten Naturvorgänge. Bei dieser Gelegenheit mag vorwegnehmend schon gleich darauf hingewiesen werden, wie viel weiter fortgebildet die Wissenschaft ist, die sich mit der gerade entgegengesetzten Frage befaßt, mit dem Einfluß der Umwelt auf die Entwicklung der menschlichen Dinge, die Anthropographie, zum Teil auch die Urgeschichte, die Soziologie, die Nationalökonomie und die Psychologie. ...