Original paper

Zur Entstehung von Vertikalverwerfungen.

Quiring, H.

Kurzfassung

Joh. Walther bat sich in einem sehr lesenswerten Aufsatz ,Über tektonische Druckspalten und Zugspalten" in diesen Monatsberichten mit den von mir s. Z. veröffentlichten oberschlesischen Profilen beschäftigt. Er sucht die für ihn nur im Profil sich ausprägende vertikale Verwerfung der Schollen gegeneinander durch Verschiebung der Grabenkeile auf schiefen Ebenen seitlich aneinander unter horizontalem Druck zu erklären. Ich muß dieser Deutung leider widersprechen. Walther hält anscheinend die gezeichneten regulären Vertikalverwerfungen für ,Horizontalverschiebungen", wie sie in Überschiebungs- und Faltengebirgen häufig auftreten und deren allgemeine Wirkungsweise im Sinne der Theorie Walthers bekannt ist. Daß es sich jedoch bei den Störungen der oberschlesischen Profile ohne Ausnahme um echte Verwerfungen auf Sprüngen handelt, die nicht durch horizontalen Druck, sondern durch horizontalen Zug und nachfolgenden Einbruch der Grabenkeile entstanden sind, lassen ohne Schwierigkeit die Störungsverhältnisse der zugehörigen Querprofile durch die betreffenden Grubengebiete erkennen. Auch die entsprechenden Querprofile (O-W-Profile) zeigen ausschließlich echte, durch Zerrung entstandene Vertikalverwerfungen, was nicht möglich wäre, wenn ein Horizontaldruck aus irgend einer Richtung auf dem fraglichen Gebiet, dem die Profile entstammen, gelastet haben würde. Übrigens geht schon aus den von mir auf S. 438 meines Aufsatzes angegebenen Zerrungszahlen (Ausdehnungskoeffizienten) hervor, daß von einer Verschiebung der oberschlesischen Schollen unter horizontalem Druck nicht die Rede sein kann. Zur Stützung der Theorien Walthers sind demnach die von mir veröffentlichten Profile nicht geeignet.