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Oslandschaft bei Berlin

Jentzsch

Kurzfassung

Zu den auffallendsten und merkwürdigsten Erscheinungen ehemals vergletscherter Gebiete gehören die Wallberge. Der seit Menschenaltern in Schweden dafür gebräuchliche Name Ås (Mehrzahl Åsar) wird gegenwärtig in Norddeutschland - dem Klange nach fast gleichlautend - durch das Wort Os ersetzt. In ihrer typischen, schon dem flüchtigen Beschauer auffallenden Entwickelung sind es meilenlange Wälle mit schmalem, meist fast wagrechtem Rücken, die im Gegensatze zu den Wällen der Endmoränen vorwiegend aus stark abgerollten Geschieben bestehen, daher in Schweden als Rullstensåsar bezeichnet werden. Nach Gestalt und Inhalt sind sie zweifellos von fließendem Wasser aufgebaut, welchem es durch angrenzende Eismassen ermöglicht worden ist, 10 bis 20 bis 30 und mehr Meter hoch über den heute angrenzenden, fast ebenen Sandflächen Gerölle, Kies oder Sand aufzubauen. Schon seit einem halben Jahrhundert weiß man, daß die schwedischen Oser ungefähr in der Richtung der Gletscherschrammen, etwa senkrecht zu den Endmoränen verlaufen, daß ihr Grundriß auf der Karte in der Gestalt eines langgestreckten, stellenweise kurzgekrümmten Flußlaufes erscheint, und daß in der schwedischen Landschaft eine Schar solcher Oser annähernd gleich von NNO bis NNW nach SSW bis SSO verläuft. In Dänemark, Norwegen, Finland und Rußland findet sich ähnliches. Auch aus Norddeutschland sind nach und nach zahlreiche Oser beschrieben worden. Obwohl keiner derselben die großen Längen der schwedischen erreicht, sind doch viele in ihrer rückenartigen Gestaltung, ihrem flußähnlichen Verlauf, ihrer Begrenzung durch lange Rinnen - Osgräben - dem schwedischen Typus so ähnlich, daß ihre Entstehung eine ähnliche gewesen sein muß. Man wird diese Entstehung im wesentlichen übereinstimmend mit der Darstellung zu denken haben, welche als Ergebnis schwedischer, deutscher und eigener Forschung Herr Johannes Korn gegeben hat. Vieles scheint endgültig geklärt zu sein; manches bedarf noch näherer Erörterung. ...