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Geologie Kleinasiens im Bereich der Bagdadbahn.

Frech

Kurzfassung

Ergebnisse eigener Reisen und paläontologische Untersuchungen. I: Einleitung: Der Gebirgsbau von Anatolien. Zu beiden Seiten der zentralen Hochfläche Anatoliens erheben sich Gebirgssysteme von überaus großer Mannigfaltigkeit des Aufbaus. Im Norden wiegen - wie überall auf diesem Anhang der asiatischen ,Scheitel" und Zentralmassive - Gebirge vor, deren Faltung dem Paläozoikum angehört. Im Norden zeigt ferner das westpontische Faltungsgebirge Anklänge an die Helleniden und die räumlich allerdings viel entfernteren Karpathen. Die südlichen Gebirgszüge, die Tauriden, sind wesentlich jünger - vorwiegend neogenen Alters. Im Süden des Taurischen Systems klingt die Faltung aus, so daß sich ein allmählicher Übergang in die indo-afrikanische Tafel vollzieht. Eine kurz gefaßte Übersicht des Gebirgsbaus enthalten die folgenden Tabellen. Die verschiedenen Gebirgssysteme Nordanatoliens sind zunächst in der nachstehenden Übersicht zusammengestellt. Die Ziffern 1-5 bezeichnen die von W nach O aufeinanderfolgenden verschiedenartigen Schollen und Gebirge: ... Übersicht der Gebirgszonen des Tauros: Der Tauros unterscheidet sich von den europäischen Gebirgen durch seine gänzliche Einseitigkeit: Anlehnung an zentrale Hochflächen einerseits, Abbruch der kilikischen Ebene andererseits, allmähliches Ausklingen der Erhebung nach S, das sind die wesentlichsten Merkmale. Daraus ergeben sich geringfügige Höhenunterschiede im Norden und daher ein allmähliches Ansteigen von dem 1200-1400 m hohen Sockel der Hochfläche; die steile Absenkung nach Süden erfolgt ohne eigentlichen Randbruch. Das Fehlen jeder kristallinen Zentralzone ist endlich bemerkenswert. Sechs parallele Hauptzonen (I-VI) sind vorhanden: I. Die Lykaonischen Vulkane, geologisch jung, die höchsten Erhebungen umfassend (sie gehören eigentlich mehr zu der Hochfläche als zu den Faltengebirgen). II. Der Kappadokische Tauros (altpaläozoische, vorwiegend untersilurische Schiefer mit eingelagerten Augitporphyriten, Tuffen, Grauwacken und Kalklagern (IIa: Zone d. Kisil tepe): die Haupterhebung besteht aus einem mächtigen Zuge von Kohlenkalk (IIb: Unterzone des Bulgar dagh). Die Grenze von IIa und IIb bildet ein rd. 2000 m mächtiges, stark dynamometamorphes Amphibolitlager = tektonische Achse. III. Der Kilikische Tauros: (Oberkreide und alttertiärer [ober-eocän-oligocäner] Serpentin mit (stärker gefaltetem) Paläozoikum (Unterkarbon-Devon) an der Basis. IV. Die Kilikischen Vorberge und Hügel (Klippen von Paläozoikum - wie III - mit miocänen, marinen Hüllschichten). An der Grenze nach Nordsyrien folgen: V. Der Giaur dagh (oder westlicher Amanos) mit paläozoischem Kern, Kreide und Serpentin, ähnlich wie III). VI. Das Kurdengebirge (nur Oberkreide und Serpentin), durch den Graben des Ghâb mit seinen jungvulkanischen Kratern und Decken von V getrennt. Eine Vergleichung der Nord- und Südanatolischen Gebirge gibt die Tabelle auf Seite 3. Einzelschilderungen: Der Tauros. (Hierzu Tafel XXIII.) - Vorbemerkung; Die folgende Darstellung beruht auf einer Bereisung der Anatolischen und Bagdadbahn im September, Oktober, November und Dezember 1911 und zerfällt in die geologische Einzelbeschreibung der verschiedenen Gebirgszonen des Tauros (I-IV) und Amanos (V, VI) sowie in Erörterungen über die Verbreitung der Erdbebengefahr. ...