Original paper

Über die Entstehung von ,Rillensteinen".

Salomon, Wilhelm

Kurzfassung

Als ,Rillensteine" werden so verschiedenartige Gebilde bezeichnet, daß es von vornherein nicht wunderbar erscheint, daß sie verschiedenartige Entstehung haben. Gehen wir zunächst von Gebieten feuchten Klimas aus, so gibt es da Steine mit ziemlich geradlinigen Rillen bzw. Rillen. Systemen, daneben aber andere, deren Oberfläche von wurmartig gebogenen, ganz unregelmäßig verlaufenden Rillen durchzogen ist. Beide Arten gehören fast ausschließlich dem Kalkstein, dem Dolomit und anderen in Wasser merkbar löslichen Gesteinen an. Bei der ersten Art ist es zweifellos, daß die Rillen feinen Rissen des Gesteins folgen. Dabei kann die Erscheinung dadurch kompliziert werden, daß die Risse von Kalkspatgängen erfüllt waren, die nun manchmal als scharfe Kämme in ihnen hervorragen (13, Escher, Mg. 1, 2, 3). Derartige Stücke werden wohl in allen Sammlungen vertreten sein. Ich selbst habe prachtvolle Stücke von Röthidolomit 1905 auf ,Zwischenmythen" gesammelt. Sie sehen zum Teil wie Miniaturkarrenfelder aus. Ein Stück Nodosuskalk von unbekanntem Fundort zeigt sehr schön die Kämme in einem Teil der Furchen. Es ist das also die Erscheinung, die Escher als ,Spaltätzung" beschreibt. Die zweite Art der Rillensteine mit wurmartig gern bogenen und verzweigten Rillen kommt in Deutschland sehr häufig vor und ist wiederholt in der Literatur erwähnt. So beschreiben sie Engel und Schaad von Geröllen der Juranagelfluh als ,Klaiensteine" gleich ,Kleesteine", weil die Kleewurzeln die Gerölle umspinnen und indem sie ihnen den Kalk entziehen, die Rillen hervorbringen. Solche Stücke sind auch in den Muschelkalkgebieten sehr häufig. Das Heidelberger Institut besitzt ein derartiges sehr schönes Stück von Muschelkalk, das Herr cand. geol. Rothmann in Üttinghof (Nordbaden) gesammelt hat. Natürlich findet man nun auch Steine, in denen Spaltenrillen in mannigfaltiger Weise mit den wurmförmigen Rillen vereint sind. ...