Original paper

Über die Lagerung des Tertiärs im südlichen Deutsch-Ostafrika.

Hennig

Kurzfassung

Zur vollen Auswertung des verhältnismäßig reichhaltigen Tertiär-Materials, das die Teudaguru-Expedition aus dem engeren Küstenstreifen zwischen Kilwa und Mikindani im Deutsch-Ostafrika heimbringen konnte, wäre es sehr erwünscht, über genauere Kenntnis der gegenseitigen Lagebeziehungen zwischen den verschiedenen Fundstellen zu verfügen. Leider fanden aber die Beobachtungen unter sehr ungünstigen Bedingungen statt. Ich kann daher meine früher gemachten Angaben nur in unvollkommenem Maße noch ergänzen. Die Aufsammlungen im Tertiärstreifen, vornehmlich in der näheren Umgebung des Hafenortes Lindi, erfolgten während der nur sehr knapp bemessenen Aufenthalte dort, zu denen der Leiter der Expedition Janensch und ich selbst etwa je zweimal im Jahre zwecks Versendung der aufgestapelten Knochenlasten und Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten an die Küste kamen. Zeit für eigentliche geologische Aufgaben war auch hier nicht verfügbar, die Ausnützungsmöglichkeiten des Tages sind in den Tropen ohnedies recht ungünstig, zumal für Arbeiten im Freien. Schlimmer aber waren die betrübenden Aufschlußverhältnisse. An künstlichen Anschnitten fehlt es ja in solchem Lande nahezu vollkommen. Hier kam aber Bewachsung mit dichtem Busch und besonders starke Verrutschung der vielfach aus tonigen Lagen aufgebauten Hänge hinzu. Wo schon die Beobachtungskunst eines Bornhardt über die Lagerungsverhältnisse nichts Sicheres hatte ausmachen können, bedarf es kaum weiterer Bestätigung der vorhandenen Schwierigkeiten. Eine Enttäuschung bereitete noch die überraschende Erfahrung, daß außerhalb der Stadtgrenzen Lindis keinerlei irgendwie geartete Vermessungen (Routenaufnahmen, Höhenbestimmungen, Peilungen) vor lagen. Auch da mußten also die wenig befriedigenden eigenen Beobachtungen auf eiligen Märschen oder bei flüchtigem Besuch als einzige Unterlage herangezogen werden. ...