Original paper

Über Bohrkerne aus West- und Ostpreußen.

Jentzsch

Kurzfassung

Herr Jentzsch legte drei Bohrkerne aus Ost- und Westpreußen vor und sprach darüber folgendes: Abgesehen von der fiskalischen Tiefbohrung Heilsberg, deren Bohrkerne P. G. Krause untersucht und eingehend beschrieben hat, beruht die geologische Karte der preußischen Provinzen Ost- und Westpreußen ausschließlich auf Beobachtungen von Tagesaufschlüssen und gewöhnlichen, mit Meißel und Schappe ausgeführten Bohrungen, während für die Nachbarprovinz Posen eine ganze Reihe von Kernbohrungen vorliegt, darunter solche von Schubin, dem zweittiefsten Bohrloch der Welt. Für Ost- und Westpreußen beruht meine Darstellung - neben den wenigen fiskalischen Bohrungen - auf Untersuchung der Schichtenproben zahlreicher zur Erschließung von Wasser ausgeführter Bohrungen, von denen keine mehr als 308 m Tiefe erreichte. Um so erfreulicher ist es, daß nunmehr auch die Privatindustrie zur Anwendung der Kernbohrung übergeht, welche gegenüber dem älteren Verfahren den Vorzug hat: a) die Schichtengrenzen schärfer zu erfassen; b) deren Neigungswinkel zu zeigen; c) die Struktur und gesamte Beschaffenheit des Gesteins unverändert zu erhalten; d) Versteinerungen und andere Einscnlüsse wohl erhalten und in natürlicher Lage zu liefern. Seitdem ich bei Antritt meiner Stellung in Königsberg im Frühjahr 1876 einen Aufruf zur Einsendung erlassen, strömten im Königsberger Provinzialmuseum zunächst Hunderte, später alljährlich Tausende von Bohrproben zusammen, deren geologische Bestimmungen ich in den Jahresberichten des Provinzialmuseums niederlegte, die ich in den Schriften und Sitzungsberichten der Physikalischen ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg 1875 bis 1899 veröffentlichte. Auch die seitdem durch Keilhack und Schneider im Jahrbuche der Geologischen Landesanstalt veröffentlichten Bohrprofile konnten für Ost- und Westpreußen, abgesehen von Heilsberg, keine Bohrkerne benutzen. ...