Original paper

Die geologischen Verhältnisse des Pindiro-Tals im südlichen Deutsch-Ostafrika.

Hennig, Edw.

Kurzfassung

Bei der Schilderung der Stratigraphie und Tektonik im Arbeitsbereiche der Tendaguru-Expedition wies ich auf eine bemerkenswerte Abweichung in dem ruhigen Aufbau des Jura-Kreide-Tafellandes hin: das Auftreten faziell aus dem Rahmen der. dortigen Schichtglieder herausfallender sowie steilgestellter und stellenweis sogar gefalteter Schiefer im Pinidiro-Tal. Bei Abfassung der Arbeit lag mir mein Sammlungsmaterial noch nicht vor. Ich konnte mich also nur mit vollem Vorbehalt über die Deutung des Vorkommens auslassen (S. 50): ,Es lag zunächst nahe, an Jura-Untergrund zu denken; da aber die Vorstellungen von dessen Verbreitung sich im Verlaufe der Untersuchungen stark modifizierten und zudem von gefaltetem Jura nur auf Madagaskar Kunde vorliegt, wäre dieser Nachweis erst hoch zu fordern. Da auch das Karoo im Südwesten und Norden nach unserer Kenntnis durchaus ungestört ist, wäre wohl die Annahme präpermischer Gebirgsbildung erforderlich. Das würde die weitere Voraussetzung noch älterer Ablagerungen zur Folge haben." Erst später gelangte mein ganzes Sammlungsmaterial in meine Hände und weist mir nun den Ausweg aus dem so geschilderten Dilemma. Ich bin dadurch vor allem in die Lage versetzt, den ,noch zu fordernden" Nachweis selbst zu liefern, daß der erste Verdacht auf Jura doch nicht getäuscht hat. Damit ergibt sich eine interjurassische Faltungs- und Störungsperiode von möglicherweise beschränktem Umfange, die aber in jedem Falle vollster Aufmerksamkeit wert ist. Die Beobachtung steht übrigens auch auf dem Festlande nicht mehr vereinzelt da, sondern fügt sich gut als Glied in eine Kette bedeutungsvoller Ereignisse ein. Zwar Faltungen kennen wir um jene Zeit, nur aus Südafrika, wo die Bildung des Kapgebirges nach heutiger Kenntnis zu Abschluß des Jura wenigstens begonnen haben muß, aber Störungen anderer Art haben im gesamten Ostafrika mehrfach während des Dogger eingesetzt. Paläozoikum liegt, wie ich nun versichern kann, in den Pindiro-Schiefern nicht vor. Die Lagerung ist indes so interessant, daß ich eine genauere Schilderung zu geben versuche, freilich auch so verzwickt, daß ich nicht in allen Dingen zu einem abschließenden Urteil gelingen kann. ...