Original paper

Deecke, W.

Über Meerestransgressionen und daran sich anknüpfende Fragen.

Kurzfassung

Seit langér Zeit interessierte mich die Art und Weise wie sich Meerestransgressionen und im besonderen, wie sich das Einwandern der Faunen vollzieht und wie sich deren Entwicklung in dem neu eroberten Gebiete gestaltet. Gerade in Europa haben wir dafür zahlreiche typische Beispiele, von dem skandinavischen Cambrium an bis zur Litorinasee. Es gewährt einen gewissen Reiz, einzelne charakteristische gemeinsame Züge oder die Unterschiede, welche die Änderung in der Zusammensetzung der Tierwelt bedingt, vergleichend hervorzuheben, ferner das Schicksal zu verfolgen, welches einzelne Gattungen oder ganze Ordnungen erlitten. Diesen Fragen soll der folgende Aufsatz gewidmet sein. Wir haben in Deutschland zwei Beispiele verschiedener Art, nämlich die Transgression der unteren Trias und des unteren Lias, welche zur Bildung eines Binnenmeeres und zu einer von tiefen Löchern durchsetzten Schelfsee führten. Am klarsten ist der Gesamtvorgang bei der unteren Trias. Ganz langsam sinkt eine weite Landschaft unter den Spiegel der See, aber so, daß das hereingetragene, abgeschwemmte oder umgelagerte Sandmaterial trotz der bis 1000 m im Maximum messenden Eindellung den Boden aufzufüllen und den Charakter einer ganz flachen, nur eben vom Wasser überspülten Uferzone aufrecht zu erhalten vermag. Diese von Wind und Wellen immer bewegten, kaum zur Ruhe gelangenden Buntsandstein-Massen waren nicht geeignet, ein reicheres Tierleben zu gestatten. Erst im obersten Teil, im Röt, kommen mit Landpflanzen einige Gattungen vor, die wirklich marin sind, neben; solchen indifferenten Charakters. Die ersten sind Limulus, Myophoria, Gervillia, Lingula, die letzten Estheria, mehrere andere Krebse und Fische. Es sind Vorläufer der Muschelkalkformen, und sie liegen in sandig-tonigen Lagen, meist in einzelnen, wenig weit anhaltenden Bänken, daher immer lokal auftretend und schon in der Nachbarschaft verschwindend. Die durch diese Einwanderer begonnene Entwicklung verzögert sich, weil infolge von vorübergehendem Abschluß und Einengung des Meeres Salz- und Gipsausscheidung einsetzt, welche kein Leben duldet, so daß erst im Wellenkalk mit erneuter und diesmal energischerer Senkung die Meeresfauna geschlossen eindringt und von dem ganzen zentraleuropäischen Areal gleichmäßig und auf einmal Besitz ergreift. ...