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Die Entdeckung und die Bedeutung der Land und Süsswasser bewohnenden Wirbeltiere im Tertiär und in der Kreide Aegyptens.

Stromer, Ernst

Kurzfassung

Auf Grund eingehender Studien der Literatur über die Geologie Afrikas war ich zu der Ansicht gekommen, daß ein so altes und trotz zeitweiliger Einengungen stets stattliches Festland, das sich jetzt von tropischen bis in nördliche und südliche gemäßigte Breiten erstreckt, den dauernden Wohnort zahlreicher Süßwasser- und Landbewohner gebildet haben müsse. Dort, wo schon in der Trias säugetierähnliche Reptilien und Säugetiere nachgewiesen sind und wo heute ein besonders reiches Leben von Säugetieren sich abspielt, mußten auch in der noch unbekannten Zwischenzeit speziell Säugetiere gelebt und sich entwickelt haben, demnach mußte Afrika als Entstehungszentrum von diesen eine wichtige Rolle gespielt haben. Ich hoffte, daß man die positiven Beweise dafür in den Ablagerungen der großen Binnenbecken Zentral- und Südafrikas in Gestalt von Fossilien finden würde (Stromer 1897, S. 346) und wollte selbst hinausreisen, um danach zu suchen. Meine Überzeugung widersprach aber so sehr den herrschenden Ansichten über die nordische Entstehung der Säugetiere, daß eine Autorität auf diesem Gebiete damals meinen diesbezüglichen mündlichen Ausführungen so schroff entgegentrat, daß ich sie nicht zu veröffentlichen wagte. Auch hinderten mich Mangel an Mitteln und Krankheit, meine schon eingeleiteten Reisepläne zu verwirklichen. Der Gedanke lag aber gewissermaßen in der Luft, denn völlig unabhängig von mir und von einander traten nicht lange danach, 1899 und 1900, Stehlin, Tullberg und vor allem Osborn ebenfalls für Afrika als Entstehungszentrum mancher Säugetiergruppen, aber aus rein paläontologischen Erwägungen ein. In seiner ausgezeichneten, leider zu wenig beachteten Paläontologie der Wirbeltiere hatte ja schon Döderlein (1890, S. 816) auf einen solchen Gedanken hin gewiesen, indem er erwähnte, daß das Entstehungszentrum der Proboscidea, Antilopinae, Giraffinae, Hippopotamidae Simiae, Manidae und Orycteropus nicht in der eurasiatischen, amerikanischen und australischen Region, sondern in einer weiteren noch zu entdecken sei.