Original paper

Gehören die Clypeaster führenden Schichten des kilikischen Taurus wirklich der Kreide an?

Oppenheim, Paul

Kurzfassung

Die eingehende Darstellung, welche F. Frech vor kurzem in dieser Zeitschrift der Geologie und dem Gebirgsbau Kleinasiens gewidmet hat, kommt sicher, zumal in den heutigen Zeitläuften, einem allseits tief empfundenen Bedürfnisse entgegen, und es dürfte kaum einem Zweifel unterliegen, daß dieses umfassende Werk, welches unsere Gesellschaft so reich zu illustrieren bestrebt war, in der nächsten Zukunft von bedeutendem Einflüsse sein wird bei der Erörterung aller Fragen, welche die Erkenntnis der Naturverhältnisse und damit im innigen Zusammenhange die wirtschaftliche und kulturelle Erschließung dieses zumal für Deutschland so wichtigen Gebietes ins Auge fassen. Es wird anregend wirken durch das, was es gibt, wie-durch das, was es noch nicht zu gewähren imstande war. Es zeigt die Punkte, wo Fundamente liegen, die einen weiteren Ausbau gestatten; aber Frech- läßt auch die Stellen erkennen, wo diese noch nicht vorhanden und erst zu errichten sind. Vielleicht dürfte zu diesen nicht tragfähigen Gebilden auch dieses und jenes gehören, was der Verfasser selbst aufzuführen unternommen hatte. Wenn ich in den folgenden Zeilen auf derartige Punkte aufmerksam mache, so soll damit keineswegs ein Urteil dem Werke in seiner Gesamtheit gegenüber ausgesprochen, noch die gewaltige Arbeitsleistung verkannt oder verkleinert werden, von welcher es zeugt. Auf pag. 24 ff. beschreibt Frech die Große Tschakit-Schlucht in Kilikien und gibt hierbei auf pag. 30 und 31 Ansichten der Berge Piz Lüscher und Kessek. Von diesem letzteren schreibt er nun auf pag. 31: ,Die fast 900 m hohen Wände über dem Tschakit enthüllen im oberen Teile die flache Lagerung der Oberkreide, in mittlerer Höhe schwach gefaltete und unter Winkeln von 20-40 ° geneigte Schichten, im untersten Teil dagegen steil aufgerichtete und gefaltete Kalkmassen. Diese Lagerung beruht nicht auf einer Diskordanz der Kreide auf Paläozoikum, vielmehr besteht das ganze Profil aus Oberkreideschichten, deren Faltungsintensität somit von unten nach oben ausklingt. ...