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Die Struktur der Mittelschweiz.

Deecke, W.

Kurzfassung

Es gibt gewisse Fragen, die durch einfache Beobachtung nicht zu lösen sind, weil uns dazu teils absolut die Möglichkeit, teils die Methoden fehlen. Gerade solche Aufgaben sind es jedoch, welche immer wieder zur Lösung reizen und zwar gerade aus dem genannten Grunde. Zu dieser Kategorie gehört als eine kleinere untergeordnete Frage die Beschaffenheit und geologische Struktur der mittelschweizerischen Hochebene. Wir kennen deren Ränder in den Alpen im Süden, in dem Juragebirge im Westen und Norden und sehen, wie gegen NO dies Hügelland in die oberschweizerische und bayerische Hochebene verfließt und in diesem Abschnitte längs der Donaulinie unterhalb Ulm von der Tafel der Schwäbischen Alb begrenzt wird. Was wir an der Oberfläche wahrnehmen, ist Molasse und deren mehr oder minder zerrissene diluviale Decke, ferner einige Löcher, wie die drei großen Seen (Genfer, Züricher und Boden-See). An den Bändern haben wir im Süden ein hohes Faltengebirge, das den Südsaum der Melasse mitgefaltet hat und ebenso wie die ganze Ebene NO streicht, am churischen Rheintal seine Falten mit dem Säntis weit vorschiebt und dann plötzlich nach Osten zu fast geradlinigem Grenzwall abbiegt. Im Westen und Norden hebt sich scheinbar unvermutet das Juragebirge heraus, durch die Neuenburger und Bieler Seen noch besonders betont, und hat sich mit seinen Faltenwellen nach Westen, Nordwesten und Norden bis an die alten Kerne der Vogesen und des Schwarzwaldes herangeschoben. Aber im Osten verdünnt es sich plötzlich, schließt mit einer einzigen Kette und verschwindet im Molasseuntergrunde, gerade dort, wo mit dem Säntis die alpinen Ketten am meisten vorbranden. Jede einzelne dieser Tatsachen wirft zahlreiche ungeklärte Fragen auf, die mit der Struktur des Untergrundes im Molasseland innig verflochten sind. Gerade darüber besitzen wir keine Kenntnis, da Tiefbohrungen fehlen. Wie kann man dieser Sphinx beikommen? Ich möchte von den vielen Wegen solch ein Rätsel zur Lösung zu bringen einen neuen einschlagen und zwar den, welcher von den Bändern nach der Mitte führt.