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Neue Beiträge zur Tektonik des Rügener Steilufers.

Jaekel, Otto

Kurzfassung

In meinen früheren Schriften über die Tektonik des Rügener Steilufers war ich der Auffassung E. Philippis entgegengetreten, daß die Störungen der Kreide und des Diluviums wesentlich durch glazialen Eisdruck zu erklären seien. Indem ich einerseits den Hauptteil der Störungen einem großen Bruchsystem zuschrieb, das vor dem Herannahen des dritten Inlandeises die Kreide und die Ablagerungen der beiden älteren Vereisungen in ein Schollenland zerlegten, ließen sich andererseits gerade dadurch die Einwirkungen genauer begrenzen, die das dritte Inlandeis auf diesem zerhackten Gebiete bewirkt hatte. Durch diese Zerlegung der Störungen in zwei ganz getrennte Faktoren glaube ich, den alten Streit, ob hier glaziale oder tektonische Störungen vorlägen, in der Hauptsache geschlichtet zu haben. K. Keilhack hat sich in seiner 1912 erschienenen Abhandlung diesen Anschauungen im wesentlichen angeschlossen, wie er am Schluß seiner Abhandlung bemerkt, entfernte sich aber von meinem Standpunkt besonders darin, daß er zur Erklärung der vielen am Ufer aufgeschlossenen Diluvialschollen nicht wie ich Staffel brüche, sondern Blattverschiebungen eines einzigen Grabenbruches annahm. Unsere Kenntnis des ganzen Steilufers förderte er vor allem dadurch, daß er es im Maßstabe von 1:10000 geologisch kartierte und dabei die einzelnen Diluvialschollen mit Nummern von 1-25 festlegte. Unklar blieben in der allgemeinen Beurteilung des Ufers vor allein die Zahl der Vereisungen unseres Gebietes, der Verlauf der Brüche und: die sehr auffallende Tatsache, daß die Diluvialschollen fast sämtlich westwärts unter die Kreide einfallen. Über dem erklärlichen Wunsche, zunächst die Hauptfragen der Tektonik zu klären, hatten wir versäumt, das Studium der eingekeilten Diluvialschollen im einzelnen weiter zu führen. Gerade hierin aber haben uns die neuen z. T. sehr umfangreichen Abstürze der letzten Jahre viel neues Beobachtungsmaterial an die Hand gegeben. Seitdem allen Warnungen entgegen die Bauverwaltung bei dem Hafenbau von Saßnitz die großen Geschiebe vom Ufer fortnehmen ließ, ist das Steilufer der Brandung gegenüber seines natürlichen Schutzes beraubt. Fast jedes Frühjahr stürzen nun große Massen vom Steilrand herab, besonders da, wo die Festigkeit der Kreideschichten durch eingelagerte Diluvialschollen unterbrochen ist. So waren nun gerade die uns tektonisch am meisten interessierenden Partien des Ufers dem Abbruch am meisten ausgesetzt und haben uns eine ... Fülle neuer Aufschlüsse geliefert.