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Die Herkunft des Erdöls in Nordwestdeutschland

Gürich, G.

Kurzfassung

Die Schwierigkeiten, die mit einer Erörterung dieses Gegenstandes verknüpft sind, beruhen in der Unsicherheit, die vielen hierbei als Ausgangspunkt dienenden wissenschaftlichen Ergebnissen anhaftet. Schon die Chemie des Erdöls, die größtenteils auf der fraktionierten Destillation beruht, gibt kein befriedigendes Bild von der Zusammensetzung, insofern als durch den Untersuchungsgang selbst Veränderungen der so wenig beständigen Bestandteile des Öls hervorgerufen werden können. Von dem Mendelejeffschen Erklärungsversuche, das Erdöl auf die durch Zersetzung von Metallkarbiden innerhalb der Erdkruste entstehenden Acetylengase zurückzuführen, kann abgesehen werden. Die Herkunft aus Schichtgesteinen, die durch Führung organischer Reste ausgezeichnet sind, ist in dem vorliegenden Gebiet viel wahrscheinlicher. Weitere Schwierigkeiten entstehen bei der Untersuchung der Umwandlungsvorgänge, denen die Stoffe der Lebewesen nach ihrem Tode anheimfallen. Es sind Vorgänge in trockener Luft, in feuchter Luft, in durchlüftetem Wasser und in undurchlüftetem Wasser denkbar. Unterschieden werden: 1. Eintrocknung (Mumifizierung). 2. Vergasung; 2a) unter Hitzeeinwirkung: Verbrennung; 2b) ohne besondere Hitzeeinwirkung, aber unter Mitwirkung von Spaltpilzen: langsame Verbrennung oder Verwesung. 3. Entgasung; 3a) Verkohlung bei Einwirkung von Hitze oder von Säuren; 3b) Vermoderung: z. B. Holz; 3c) Verfaulen: z.B. tierische Weichteile; 3d) Vertorfung. Die letzten drei Arten der Zersetzung sind verwickelter Natur und bedürfen weiterer Aufklärung; die Kleinlebewesen sind dabei beteiligt, oder vielleicht die einzige Ursache. Gewöhnlich spricht man von Bakterien schlechthin, es ist aber möglich, daß noch andere Organismen eine Rolle spielen. ...