Original paper

Über gegenwärtige Bodenbewegungen bei Bückeburg, Göttingen, in Thüringen und im norddeutschen Tieflande.

von Linstow, O.

Kurzfassung

Im Februar 1915 weilte ich auf kurze Zeit mit meinem nunmehr verstorbenen Vater, Herrn Generaloberarzt a. D. Prof. Dr. von Linstow, in Bückeburg. Ein kleiner Spaziergang führte uns zu dem westlich der Stadt gelegenen Weinberg, von dem aus man einen guten Überblick über den östlich der Stadt gelegenen Harrl sowie die gesamte südlich vorgelagerte Weserkette hat. Hierbei äußerte mein Vater sein unverhohlenes Erstaunen über die ihm gänzlich neue und ihn im höchsten Maße befremdende Tatsache, daß man von diesem Punkt der Weinberge aus den Ida-Turm sehen konnte, die höchste Erhebung des eben genannten Harrls. Mein Vater, der 1842 geboren ist, weilte in Bückeburg von 1856-1862, hat also den letzten Teil seiner Schülerzeit dort verlebt. Oft genug ist er auf dem Weinberg gewesen, niemals aber hat er, wie er mir wiederholt aufs entschiedenste versicherte, irgend etwas von dem 1847/48 errichteten Ida-Turm erblickt. Die. Entfernung zwischen Beobachtungspunkt und Ida-Turm beträgt in der Luftlinie etwa 3,7 km. Nach gütiger Mitteilung des Herrn Oberforstmeisters Frh. von Harling zu Bückeburg hat eine Erhöhung des Ida-Turms seit seiner Erbauung nicht stattgefunden. Geologisch besteht sowohl der Weinberg (höchste Erhebung 85,1 m) als auch der in seiner Streichrichtung (WNW-OSO) befindliche Harrl aus Wealdensandstein, der von Wealdenton sowohl über als auch unterlagert wird. Die höchste Erhebung mit 213 m wird von dem 25,95 m hohen Ida-Turm gekrönt. Sämtliche. Schichten fallen nach NNO zu ein. Entsprechend dieser Lagerung folgt nach Norden zu die durch Harbort bekanntgegebene und eingehend untersuchte Untere Kreide, wahrend die sich im Süden erhebende Weserkette aus jurassischen Gesteinen besteht. Wichtig ist, daß beide Züge - Wealdensandsteine wie Jurakalke - von schwebenden Verwerfungen durchschnitten werden, die die beiden Kämme in feine Anzahl von Teilstücken zerlegen.