Original paper

Über Chirotherium.

Walther, Joh.

Kurzfassung

Der Verfasser sprach in der März-Sitzung über Chirotherium und führte an der Hand eigener früherer Beobachtungen und einer neuerdings von Herrn K. Willruth ausgeführten Untersuchung folgendes aus: Während noch in der im Jahre 1834 erschienen Monographie V. Albertis über die Trias nur englische Fährten erwähnt wurden, entdeckte der Konsistorialrat Sickler bei Hildburghausen jene zahlreichen und so wohlerhaltenen Fährtenplatten, die mit Hilfe eines Herrn Barth geborgen, von Kaup unter dem Namen Ch. Barthi beschrieben und einem Beutler zugeschrieben wurden. Ein mit den Fährten zusammen gefundener Schädel, breite Halswirbel mit langen Dornfortsätzen und ein Hinterhaupt wurden leider vermauert. so daß die Frage nach der zoologischen Stellung des Tieres trotz vieler Diskussionen nicht geklärt werden konnte. Die schon von Bronn bekämpfte Auffassung Owens, daß es sich um einen Stegocephalen handele, blieb Sieger und noch 1904 baute H. Klaatsch seine Theorie von der Entstehung der menschlichen Hand auf der Annahme, daß die auffallende Schwiele an der Fußwurzel einem internen Finger, d.h. einem ,Daumen" entspräche. 1881 begründete Frantzen den Chirotherium-Horizont, ohne sich mit der genaueren Morphologie des als Leitform bezeichneten Fossils zu beschäftigen - so daß fortan eine große stratigraphische Unsicherheit entstand, weil ganz verschiedene Fährten als Ch. Barthi bezeichnet und damit verschiedene Horizonte bestimmt wurden. In einem unvollendet hinterlassenen Manuskript von J. G. Bornemann (das bei der Arbeit von Willruth als Literatur zitiert werden konnte), hat der Autor die dadurch entstandenen Irrtümer auszuschalten versucht, gibt auch genauere Diagnosen, hält aber an der ,Daumennatur" des Ballens fest.