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Über eine Madrepora (M. Meyni n. sp.) aus dem norddeutschen Diluvium.

Oppenheim, Paul

Kurzfassung

Vor kurzem machte mich Herr Dr. W. O. Dietrich auf eine Riffkoralle aufmerksam, welche er in älteren Beständen der Berliner Sammlung aufgefunden hatte. Die Fossilien waren von einer Etiquette aus leichtem, infolge der Jahre schmutzig gewordenem und vergilbtem Papier begleitet, auf welcher von Beyrichs charakteristischen Schriftzügen zu lesen stellt: ,Aus dem Diluvium. Gefunden am Segeberger See (Holstein) d. d. Meyn 1852". Herr Dr. Dietrich selbst hatte in diesen Tagen eine feste Etiquette aus Karton hinzugefügt, auf welcher als Bestimmung vermerkt war: ,Madrepora cf. M. Solanderi a. d. M. Eoc.". Dies war der Stand der Frage an dem Tage, wo mir Herr Dr. Dietrich die betreffenden Fossilien vorlegte, und ich sofort den Wunsch hegte, mich mit ihnen näher zu befassen. Denn dies war mir sofort klar, daß dieser Fund eine gewisse Wichtigkeit haben könnte für die Kenntnis der präglazialen Zusammensetzung unseres norddeutschen Bodens, falls sich die Herkunft der Stücke als sicher und über jeden Zweifel erhaben darstellen ließe. Ich werde auf die nähere Beschreibung der Stöcke später einzugehen haben. Vorläufig will ich nur bemerken, daß es sich ganz zweifellos um eine Art der Gattung Madrepora Lk. handelt, und daß gewisse, schon von Herrn Dr. Dietrich erkannte Beziehungen zu M. Solanderi (Mich.) Milnb Edwards und Haime durchaus nicht von der Hand zu weisen sind, wenn auch kaum eine artliche Identität vorliegen dürfte. Derartige Formen sind aber in unseren Breiten charakteristisch für das ältere Tertiär, wo sie wenigstens in England sowohl im Obereocän als im Unteroligocän in einer ganzen Beine von Arten bekannt geworden sind. Aus Norddeutschland dagegen fehlen bisher derartige Funde durchaus. Nun ist es allerdings auffällig, daß sich Beyrich mit diesen so interessanten Formen niemals beschäftigt hat, so daß selbst jede generische Bestimmung auf der beigegebenen Etiquette fehlt. Andererseits beweist diese durch ihre Jahreszahl 1852, daß diese Fossilien Beyrich durch Meyn in einer verhältnismäßig frühen Periode seines Lebens zugingen, allerdings gerade in der Zeit, wo er sich am allerintensivsten mit dem norddeutschen Tertiär beschäftigte. ...