Original paper

Tektonik und Vulkanismus in Südwest-Deutschland.

Deecke, W.

Kurzfassung

Vor 25 Jahren hat Branca seine Studien über die Tuffröhren oder Vulkanembryonen der Schwäbischen Alb begonnen mit dem Erfolg, daß nach der Veröffentlichung jener umfangreichem Monographie sich eine lebhafte Erörterung über den Zusammenhang von Tektonik und vulkanischen Erscheinungen entspann. Dabei fiel eine Zeitlang der Sieg zugunsten der Durchblasung aus, da auf einmal überall solche Durchschlagsröhren entdeckt wurden und der Bau der betreffenden Gegenden für die Förderung eruptiver Massen unerheblich zu werden schien. Lakkolithen stiegen im Ries auf und versanken wieder, oder blieben wie bei Steinheim in den Malmkalken auf der letzten Strecke stecken. Im Schwarzwald wurde das Geröll des Alpersbacher Stollens im Gneis des Höllentales zu einem Schlot gestempelt, desgleichen der Hornberger Basalt. Von anderer Seite wurden die Deutungen lebhaft bekämpft. Bei diesem Streite über die Spaltenfrage habe ich bisher nur als Zuschauer dabei gestanden, kann indessen nicht leugnen, daß meine Meinung entschieden zugunsten eines inneren Zusammenhanges von Vulkanismus und Tektonik ging. Zum mindesten muß eine allgemeine Disposition in Form von Zerrüttungszonen, Senkungsfeldern usf. bestehen. Wir sehen dies ja an der langen Reihe der italienischen Vulkane, an dem Gürtel der Durchbrüche längs des Innenrandes der Karpathen, am Südrande des Erzgebirges, in der Zerstückelung des Plateau central, um einige allgemein bekannte große Beispiele zu nennen. Dem wurde stets die ungestörte Malmtafel der Alb als schlagende Widerlegung entgegengehalten. Ich habe geschwiegen, weil über die Struktur der Alb sehr wenig bekannt war. Seitdem hat mich meine Tätigkeit gezwungen, mit dieser Sache mich abzufinden, und mich gelehrt, daß die Branca sehen Schlüsse aus seiner Untersuchung an den Uracher Vulkanen keineswegs ohne weiteres auf andere Gebiete übertragen werden dürfen.