Original paper

Zur Vergletscherung des Riesengebirges.

Berendt, G.

Kurzfassung

Wenn ich gegenwärtig, nach mehr als zwei Jahrzehnten, noch einmal auf die Vergletscherung des Riesengebirges zu sprechen komme, so geschieht es, um eine Beobachtung nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, die besonders geeignet erscheint, auch diejenigen zu überzeugen, welche nur Gletscherzwerge im Riesengebirge gelten lassen wollen und die Strudellöchter auf fast allen Kuppen des Riesengebirges in anderer Weise erklären möchten. Zwar habe ich schon seinerzeit darauf hingewiesen, daß bereits eine ruhige Überlegung und der Gedanke an die Eisfabrikation dahin führen muß, sich zu sagen, daß bei einer Vergletscherung auch nur des Kammes oberhalb der in der Eiszeit weit tiefer gelegenen Schneegrenze einerseits und ununterbrochenen Eismassen des nordischen Inlandeises andererseits schon von Hermsdorf und dem Kynast an, der dazwischenliegende, wenige Kilometer breite Gebirgsstreifen unmöglich eisfrei bleiben konnte. Allein bei der geringen Haltbarkeit von Gletscherschrammen in dem leicht verwitternden Granitit ist jeder neue Beweis doppelt willkommen. Schon von Anfang an war mir eine Felsgruppe auf meinem Besitz, dem Adlerfels, mitten unter den Bäumen des Parkes aufgefallen. Aber erst nach Jahr und Tag wurde mir das Verhältnis klar, in dem dieselbe zu der einen der beiden Kuppen des Adlerfels steht. Die seinerzeit beschriebenen Strudellöcher bzw. Gletschertöpfe liegen sämtlich auf der einen, auch mein Wohnhäuschen tragenden Kuppe. Hier erwähnte ich seinerzeit bei der damaligen Beschreibung der Gletschertöpfe des Adlerfels auch eine von den den Felsen unterhalb des Eises umtosenden Schmelzwassern breit ausgewaschene Horizontalspalte im Granit. Dieselbe hat am Ausgange eine Breite von 1/2 bis 11/2 m und besitzt eine Tiefe bis zu 3 m und mehr, die darüber soweit freihängende Felsplatte mit den Gletschertöpfen eine Dicke von wenig über 1 m.