Original paper

Die Val-Trompia-Linie von Collio bis zum Mte. Guglielmo.

v. Bülow, E.

Kurzfassung

Er ergibt sich somit zunächst, daß die Val-Trompia-Linie als solche aus einem System von Brüchen besteht. von denen die Querbrüche wohl gleichzeitig oder jünger keinesfalls aber älter sind als die Hauptverwerfung. Dieses Bruchsystem kommt von Maniva Passe her in etwa WSW-Richtung auf den Mte. Guglielmo zu und biegt dann kurz vor demselben in eine westliche, schließlich nordwestliche Sichtung um. Dann geht der Bruch bei Zoncone plötzlich scharf nach Norden und läuft hier über den Dosso della Pedona nach Fraine. Das Gebirge ist an dieser Stelle außerordentlich stark zersplittert. Die Gesteine, die im Osten des Graticellebaches ziemlich gleichmäßig mit etwa 15° nach Süden einzuschießen scheinen, so daß am südlichen Mellaufer eine ganz normale, flach gelagerte Schichtfolge, bis herauf zum Muschelkalk und jüngeren Schichten erscheint, richten sich bei St. Andrea mehr und mehr auf, bis sie im Val Boccamassino und westlich des Val Morina ganz steil zu stehen scheinen. Aber schon im mittleren Selletal tritt z. T. wieder eine flachere Lagerung ein und an den Nordhängen des Mte. Guglielmo haben wir wieder ein regelmäßiges, schwaches Einfallen nach Süden. Suess (33) hält die Querstörungen für älter als die Längsstörung. Nach Ampferer und Hammer (1) sind sie teils alter, teils, wie die von Zoncone, jünger. Die Untersuchungen haben zur Lösung dieser Frage keine Beiträge geliefert. Am einfachsten erscheint die Annahme von der Gleichzeitigkeit der Querstörungen, daß also beim Einsturz des Südflügels des großen Gewölbes das Gebirge gleichzeitig in eine Menge einzelner Schollen zerlegt wurde, von denen die einen etwas geschleppt wurden, wie die bei Memmo, C. Orio usw., während die anderen ohne Schleppung an der Verwerfung absaken, und dabei bald mehr, bald weniger, steil aufgerichtet wurden. Auf keinen Fall läßt, sich aber Baltzers kamunische Überschiebung auch nur als Überfaltung aufrechterhalten. Der Zufall wollte es, daß einer gerade den Punkt aufsuchte, wo die Verhältnisse am wenigsten klar liegen, das Meolatal und das obere Trobiolotal, wo - bei letzterem - in der nach N. umbiegende, OW streichenden Störung leicht der Ausstrich einer Überschiebung vermutet werden könnte. Klar hat schon Suess die Tektonik erkannt, nur daß statt des gleichmäßigen Absinkens der Schollen gegen Osten bald die eine, bald die andere Scholle mehr gesenkt erscheint. Der Bruch Zoncone-Fraine ließe sich wohl ebenso wie das Abbiegen der Schichten des Guglielmo zum Iseosee auf Senkungserscheinungen längs des Ogliotales zurückführen, die beim Mte. Guglielmo zu einfachem Abbiegen der Schichten nach Westen, weiter nördlich aber zu einem steil W fallenden Bruch geführt haben. Ob wir es am Guglielmo und bei Zoncone tatsächlich mit gleichen Vorgängen zu tun haben, vermag ich nicht zu entscheiden, immerhin wäre es auffällig, wenn die Verwerfung von Zoncone nach Süden keinerlei Fortsetzung iregendwelcher Art fände.