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Über Adinolen und Adinolschiefer des Harzes.

Milch, L.

Kurzfassung

Einleitung: Nachdem die von Diabasen hervorgerufenen Veränderungen des Nebengesteins im Harz vor mehr als 40 Jahren in grundlegenden Arbeiten von K. A. Lossen geologisch-petrographisch, von Emanuel Kayser geologischchemisch erforscht und 10 Jahre später von Lossen und H. Rosenbusch mikroskopisch-petrographisch untersucht waren, schienen sie für weitere Untersuchungen keinen Anlaß zu bieten. Die wichtigste Tatsache stand fest, die häufige stoffliche Veränderung des Nebengesteins durch den Diabas im Gegensatz zu der sonst die Regel bildenden chemischen Übereinstimmung der kontaktmetamorphen Teile des Nebengesteins mit den unveränderten, von der Kontaktmetamorphose nicht erreichten Massen; Struktur und Mineralbestand der Diabaskontaktprodukte waren durch Meister wie Lossen und Rosenbusch beschrieben, die Kontaktprodukte der Diabase in anderen Gebieten ließen sich teils mit den Harzer Vorkommen, teils mit ,normalen" Kontaktgesteinen vergleichen. Da die Gebilde außerdem durch ihr überaus feines Korn der Untersuchung große Schwierigkeiten bereiten, so schien in keiner Weise ein Anreiz zur Wiederaufnahme der Erforschung der Harzer Diabaskontakte vorzuliegen. Zwei durchaus verschiedene Erfahrungen, die die Petrographie lange nach der erwähnten grundlegenden Erforschung dieser Gebilde gemacht hat, gaben Veranlassung, das spröde Material einer erneuten Untersuchung zu unterziehen: die so überaus häufige Vergesellschaftung der Diabase und der Keratophyre einerseits, die stoffliche Ähnlichkeit der Adinolen und der Keratophyre andererseits legte die Frage nahe, ob irgendein Zusammenhang zwischen Adinolsubstanz und Keratophyrsubstanz besteht, und die wachsende Bedeutung, die eindringendem fremden Material vielfach für die Entstehung der kristallinen Schiefer zugeschrieben wird, ließ eine Gruppe, der unzweideutig durch Materialzuführung stark umgewandelte Gesteine angehören, einer erneuten Untersuchung wert erscheinen. Für diese Fragestellung liegt das Schwergewicht in den Adinolen und verwandten Gesteinen; eine eingehende Beschäftigung mit diesen Gesteinen führte jedoch bald zu neuen Fragen und somit zur Erweiterung des Untersuchungsgebietes. H. Rosenbusch unterscheidet scharf zwischen Spilosit-Adinol-Kontakthöfen, wie sie typisch die altbekannten Harzer Vorkommen darstellen, und Hornschiefer-Kontakthöfen (Physiographie II 2, S. 1302-1311); an die Spitze dieser zweiten Gruppe stellt er die von A. Schenck beschriebenen und analysierten Kontaktgebilde der Diabase des oberen Ruhrtales in Westfalen (Die Diabase des oberen Ruhrtales und ihre Kontakterscheinungen mit dem Lenneschiefer, Inaug. Diss. Bonn 1884. Verh. naturhist. Verh. d. pr. Rheinlande und Westfalens 41, S. 53 ff.), und betont das Vorkommen entsprechender Gesteine im Harz, in der Saar-Mosel-Gegend und in anderen Gebieten.