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Ein neuer Fundpunkt der sog. Eem-Fauna in Nordfriesland.

Wolff, W.

Kurzfassung

Die sog. ,Eem-Fauna" trägt ihren Namen nach dem Eem-Flüßchen, das sich durch das Gelderche Tal in den Südzipfel der Südersee in Holland ergießt. Sie ist eine marine Fauna, die dort in gewisser Tiefe, erheblich unter der alluvialen Nordseefauna und einer diese unterlagernden Sanddecke, über dem einzigen dortigen Geschiebelehm ruht, den man der zweiten oder Hauptvergletscherung Nord-europas zuzurechnen pflegt. Sie ist gekennzeichnet durch einen klimatisch sehr gemäßigten Charakter und demzufolge eine Anzahl ,lusitanischer", im heutigen Nordseebecken fehlender Konchylien, unter denen Tapes aureus var. eemiensis Nordm., oder wie Nordmann neuerdings ihn benennen möchte, Tapes senescens Doederl. die wichtigste Leitform darstellt. Diese eigentümliche Fauna ist namentlich von den dänischen Fachgenossen sorgfältig studiert und in einer Reihe längst beobachteter Diluvialfaunen von Schleswig, Dänemark und Westpreußen wiedererkannt worden. Ihr paläontologischer Charakter ist in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet so scharf umrissen und von anderen marinen Faunen des Diluviums und Alluviums so regelmäßig unterschieden, daß alle Ablagerungen, die sie beherbergen, sich zu einem großen, für die Gliederung des nordeuropäischen Diluviums entscheidenden stratigraphischen Horizont zusammenzufügen scheinen. Im südwestlichen Jütland und in Nordfriesland ist bereits eine Anzahl von Fundstätten der Eem-Fauna durch Bohrungen und Tiefbauten erschlossen worden. Dieselben erstrecken sich von Manö Hölade bei Ripen bis nach Horsbüll südwestlich von Tondern. Getrennt von ihnen tritt dieselbe Fauna im Bett des Nordostseekanals unter dem Reitmoor westlich von Rendsburg, ungefähr 35 km vom Elbausgang des Kanäles auf.