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Über ein phosphoritführendes untercambrisches Diluvialgeschiebe vom Brothener Ufer

Gagel

Kurzfassung

Bei meinen Kartierungsarbeiten in Holstein habe ich vor Jahren am Brothener Ufer bei Travemünde im Oberen Geschiebemergel einen ziemlich großen Block feinkörnigen, glauconitischen Sandsteins gefunden, der schon äußerlich durch die Führung zahlreicher kleiner Phosphoritknollen, bis zu etwa Haselnußgröße, auffiel und dadurch einen konglomeratischen. Habitus aufwies, beim Zerschlagen sich als ein ziemlich gut und dünn geschieferter quarzitischer Sandstein erwies, auf dessen grünlichen Schichtflächen zum Teil recht zahlreiche Exemplare eines kleinen, hornschaligen Brachiopoden sich zeigten, die bei näherer Untersuchung sich als die untercambrische Art Discinella Holsti Moberg herausstellten. Nach einer freundlichen Mitteilung von Herrn Gottsche, dem ich seinerzeit ein Stück des Geschiebes zusandte, stimmt es im allgemeinen Habitus und in der Brachiopodenführung mit seinen kambrischen Grauwackenschiefern gut überein, die er als Nr. 4 in einer Arbeit über die Sedimentärgeschiebe von Schleswig-Holstein (Tokio 1889, Seite 8) beschreibt, worin er das Brachiopod noch, als ?Obolella oder ?Acrothele unbestimmbarer Art anführt, nur mit dem Unterschied, daß er in seinen bis dahin gesammelten Grauwackenschiefern niemals Phosphoritknollen beobachtet hätte. 10 Jahre nach dem Erscheinen der oben zitierten - Gottscheschen Arbeit hat dann Moberg zahlreiche Blöcke derselben Art beschrieben, die von Holst zu beiden Seiten des Kalmarsundes als lose Diluvialgeschiebe gefunden waren und eine sehr charakteristische untercambrische Fauna führten, deren Hauptfossil von Moberg als Discinella Holsti beschrieben wurde. Diese Discinella Holsti ist die fragliche ?Obolella oder ?Acrothele Gottsches und stimmt auch mit der Form meines Geschiebes genau überein. Das von mir gesammelte Geschiebe (etwa 35 cm Durchmesser) ist ein ganz heller, sehr feinkörniger, quarzitischer, kalkfreier Sandstein mit im allgemeinen nicht sehr reichlichem Gehalt an ganz feinen Glauconitkörnchen, welche hauptsächlich lagenweise angeordnet sind und dadurch die feine Schieferung hervorbringen, die auf dem Querbruch als feine, grüne Streifung erscheint.