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Der Siebenschläfer ans den Kiesen von Süßenborn bei Weimar.

Soergel, W.

Kurzfassung

Einige Reste eines Siebenschläfers fand Präparator E. Lindig vom Städtischen Museum zu Weimar in einer Feinsandschicht im östlichsten, dem Architekt Saalbobn gehörigen Bruch des Süßenborner Kieslagers, ca. 5 m unter der Oberkante des Kieses. Nah beieinander lagen ein rechtes Unterkieferfragment mit dem ersten und zweiten Molar, ein rechter unterer und ein rechter oberer Nagezahn, alles nach Lagerung und Größe einem Individium zugehörig. Infolge eines bösen Zufalls beim Zeichnen zerbrach das kleine erhaltene Stück des Kiefers in zahlreiche Fragmente, so daß nur die beiden Backzähne zur Darstellung gebracht werden konnten. Dieser glückliche Fund engt die große zeitliche Lücke etwas ein, die bisher im Vorkommen der Myoxinen offen stand. Aus dem älteren Tertiär und dem Miocän in verschiedenen Arten bekannt, fehlt die Familie bisher völlig aus dem Pliocän, fehlte auch bis auf unseren neuen Fund fast völlig aus dem Alt- und Mitteldiluvium und wurde erst wieder im Jungdiluvium in denjenigen Arten nachgewiesen, die heute noch in Mittel- und Südeuropa heimisch sind. Zu Vergleichen mit nahverwandten fossilen Formen bot die Literatur unter diesen Umständen wenig Anhaltspunkte. Da die direkten Vorfahren des diluvialen und des lebenden Siebenschläfers im Pliocän bisher noch nicht aufgefunden worden sind, von den zahlreichen miocänen und alttertiären Arten aber keine sich mit einiger Wahrscheinlichkeit in die direkte Stammlinie des Siebenschläfers einreihen läßt, so besitzen spezielle Vergleiche unseres Fossils mit den vordiluvialen Arten weder für die Bestimmung noch für phylogenetische Fragen besonderes Interesse. Die Stellung dieser tertiären Arten und ihre Unterschiede gegen Myoxus glis L. sind außerdem in M. Schlossers Monographie hinreichend erörtert worden. ...