Original paper

Über Erdbrände.

Herrmann, F.

Kurzfassung

Mit dem nicht sehr glücklich gewählten, aber seit langer Zeit in der geologischen Literatur eingebürgerten Worte Erdbrand bezeichnet man nach J. Roth die Erscheinung der Selbstentzündung bei Stein- und Braunkohlen. Diese Begriffsbestimmung ist zweifellos zu eng gefaßt, da auch bituminöse Schiefer Veranlassung zu Erdbränden geben können. So haben nach einer mir von Herrn von Linstow gemachten Mitteilung die sehr bituminösen und schwefelkiesreichen Dictyonemaschiefer Estlands zwischen Baltisch-Port und Pakker-Ort im Ausstrich längs der Küste infolge Selbstentzündung 1908 umfangreiche Erdbrände bewirkt. Andererseits fehlt in der Rothschen Begriffsbestimmung eine Unterscheidung zwischen den ohne Zutun des Menschen entstandenen, rein geologisch bedingten, und den künstlich durch Bergbau, Tagebaubetrieb und ähnliche gewaltsame Eingriffe in die Natur hervorgerufenen Erdbränden. Letztere bilden allerdings die Mehrzahl der bekanntgewordenen und in der Literatur behandelten Erdbrände. Die Wirkungen beider Gruppen von Erdbränden, die dabei entstehenden Mineralneubildungen - auf den sächsischen und österreichischen geologischen Karten als Erdbrandbildungen, Kohlenbrandgesteine oder Porzellanjaspis bezeichnet - dürften wenig oder gar nicht verschieden sein. In den meisten Fällen wird es schwer oder unmöglich sein, die Entstehungsursachen der Erdbrände festzustellen. Gelingt es jedoch, Beweise für ein so hohes Alter eines Erdbrandes zu erbringen, daß der Mensch als Urheber nicht in Frage kommen dürfte, so haben wir damit ein weiteres Beispiel eines natürlichen, nur auf Selbstentzündung brennlicher Mineralien beruhenden Erdbrandes gewonnen. Es soll im folgenden diese Beweisführung für ein serbisches Erdbrandvorkommen versucht werden, vorher aber kurz auf einige der bekanntesten sonstigen Erdbrände eingegangen werden. ...