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Patella Wünschmanni nov. sp. und die Fauna des Ilsenburgmergels bei Wernigerode.

Böhm, Joh.

Kurzfassung

Die Gattung Patella wurde 1678 von Lister für die an der englischen Küste weit verbreitete Patella vulgata aufgestellt und von Linné 1758 in die zehnte Auflage seines Systema Naturae, das Grundwerk der systematischen Zoologie, aufgenommen. A. Römer, Geinitz, Buvignier und andere Autoren haben aus der Kreideformation Arten dieser Gattung beschrieben; sie alle - zwölf an der Zahl - reihten Pictet und Campiche 1862 im Anschluß an D'orbigny, der die Gattung Patella auf die rezenten Formen beschränkte, bei Helcion ein. Sie führten als Grund hierfür an: ,Les coquilles sont dans les Acméides et les Patellides patelloides. Celles des Acméides sont en général plus minces, plus lisses, à ornements moins saillants, mais ces légères differences laissent souvent de grands doutes." Demgegenüber hielt Stoliczka daran fest, daß die Gattung Patella bereits in der Kreideformation vertreten sei und zwar durch P. campanulata Reuss im Cenoman Böhmens. Die oben erwähnten äußeren Merkmale: napfförmige Gestalt, kräftige Schale und Berippung, welche nach Pictet und Campiche für die Zugehörigkeit eines Gastropoden zur Gattung Patella sprechen, zeigt ein Gehäuse, das mit einem zweiten, weniger günstig erhaltenen Herr Oberlehrer Dr. Wünschmann in Halberstadt aus dem Trümmerkalk am Galgenberg bei Wernigerode aufgenommen hat. Gehäuse dickschalig, schief kegelförmig, Grundriß eiförmig; die größte Breite ist in der Mitte der Schalenlänge gelegen, sie nimmt zu dem halbkreisförmigen Hinterrande hin allmählich ab, verjüngt sich rasch zu dem schmal abgerundeten Vorderrande. Von dem im vorderen Drittel gelegenen Wirbel dacht die Schale steiler zum Vorderrande als zu den Seitenrändern ab; die Kammlinie vom Wirbel zum Hinterrande ist, im Profil gesehen, schwach konvex gekrümmt. Die Symmetrie des Gehäuses wird linksseitig durch eine Falte, die vom Wirbel ausgeht und in einer Verbiegung des Bandes ausklingt, beeinträchtigt. Die Einbiegung - eine Verletzung der Schale ist nicht erkennbar - findet ihre natürliche Erklärung durch die Lebensweise der Patellen, welche sich im Bereich der Gezeiten an felsigen Küsten ansiedeln. ...