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Theoretisches zur Faziesverteilung in den Alpen.

Hummel, K.

Kurzfassung

Während der letzten zwei Jahrzehnte wurde die Alpengeologie von der Deckentheorie beherrscht. Niemand wird leugnen, daß die geologische Erforschung der Alpen dieser Theorie sehr viel zu verdanken hat. Sie hat es ermöglicht, den Bau des Gebirges unter einheitlichen Gesichtspunkten zu betrachten, dadurch wurde die Übersicht über die Mannigfaltigkeit des Vorhandenen sehr erleichtert. Ferner haben die großzügigen, fesselnden Leitgedanken der Deckentheorie den Eifer der Einzelforschung mächtig angeregt und dadurch die Kenntnis der Einzelheiten des Alpenbaus sehr gefördert. Aber infolge der Übertreibungen, die sich einzelne Anhänger der Deckentheorie zu schulden kommen ließen - ich erinnere nur an die phantastischen Profile, in welchen die Decken kilometerhoch über den jetzigen Bergspitzen und ebenso tief unter dem Meeresspiegel gezeichnet wurden - und ferner infolge der mechanischen Unwahrscheinlichkeiten, um nicht zu sagen Unmöglichkeiten, welche die Theorie in sich birgt, hat allmählich eine Reaktion gegen die Deckentheorie eingesetzt, die zu begrüßen ist, weil sie verhindern wird, daß sich eine gute Arbeitshypothese verwandelt in ein Dogma, welches der wissenschaftlichen Erkenntnis gefährlich zu werden begann. Viele der Einzelarbeiten der letzten Jahre haben sich darauf beschränkt, nachzuweisen, daß sich die Deckentheorie auch auf dieses oder jenes Stückchen der Alpen anwenden läßt. Alles, was nicht zu dieser Theorie paßte, wurde mehr oder weniger stillschweigend übergangen und die Grundlagen der Theorie wurden als unerschütterlich feststehend hingenommen. Die Reaktion gegen die Deckentheorie wird nun dazu führen müssen, deren Grundlagen nachzuprüfen. Besteht die Theorie diese Prüfung, wird sie nachher um so gefestigter dastehen. Halten aber ihre Grundlagen der Nachprüfung nicht stand, dann wird es für den wissenschaftlichen Fortschritt nur von Vorteil sein, wenn man die Theorie sobald als möglich ,historisch" werden läßt. ...