Original paper

Zur Tektonik von Rumpfschollengebirgen.

Quiring, H.

Kurzfassung

In einer ausgezeichneten Studie über die Verwerfungen hat Höfer von Heimhalt u. á. auch die Bildungsweise der Hangendsprünge einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Er hat sich hierbei den Anschauungen angeschlossen, die von mir seinerzeit bei der Analyse von Grubenprofilen aus dem oberschlesischen Steinkohlenbecken gewonnen worden sind und die zu dem Ergebnis geführt haben, daß alle Schollenverschiebungen, die unter Vermittlung echter Sprünge (Hangendsprünge) sich vollziehen, eine tangentiale (horizontale) Zerrung (Druckentlastung) in der Erdrinde voraussetzen, v. Höfer will nur insofern meine Schlußfolgerungen eingeschränkt wissen, als er den Sprüngen, die gefaltete Rümpfe durchsetzen, eine Sonderstellung zuzubilligen geneigt ist. Im Anschluß an die Behandlung des oberschlesischen Schollengebiets spricht er sich folgendermaßen. aus: ,Im Schollengebirge liegen innerhalb jeder Scholle die Schichten nahezu tafelförmig und sind nur selten und dann gewöhnlich nur wenig gefaltet, oft auch flachliegend, wenn nur Zerrung waltete. Wenn ich auch vielfach mit Quiring übereinstimme, so kann ich doch nicht das westfälische Kohlengebiet als Schollengebiet anerkennen, da es ein typisches Faltengebirge mit allerlei Verwerfungen ist; die von ihm hierfür berechneten Ausdehnungskoeffizienten gehören deshalb nicht hierher." Wie ich dieser Kritik entnehme, ist für V. Höfer der Gegensatz zwischen einem durch tangentiale Druckwirkungen entstandenen Faltengebirge und einem durch tangentiale Zerrung entstandenen Schollengebirge so tiefgehend, daß er sich meiner Anschauung, daß ein Faltengebirge nach der Faltung von intensiven Zerrungsvorgängen betroffen werden kann, so daß es zum Schollengebirge wird, nicht anzuschließen vermag. ...