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Geologische Beobachtungen im Reichslande.

Kessler, Paul

Kurzfassung

Infolge meiner Ausweisung aus dem Elsaß komme ich nicht mehr dazu, einige geologische Arbeiten, deren Ausführung ich vorhatte, abzuschließen. Ich muß mich daher darauf beschränken, wenige Tatsachen anzuführen, die mir von so weitgehendem Interesse zu sein scheinen, daß ihre Veröffentlichung auch ohne nähere Erforschung gerechtfertigt erscheint. I. Tertiäre Terrassen am Vogesenrand und ihre Bedeutung für die Geschichte des Rheintals: In den Vogesen existieren sehr hochgelegene parallel dem Rheintal verlaufende Terrassen, von denen ich eine bei den Ausflügen nach der Tagung des Deutschen Geographentages Pfingsten 1914 auf der Exkursion von der Hohkönigsburg nach Rappoltsweiler zeigen konnte. Auf ihr liegen die unteren Teile des Dorfes Tannenkirch in 420 bis 460 m über NN. Gerölle finden sich zwar, sagen aber nichts aus, da sie, soweit ich beobachten konnte, mit denen des Hauptkonglomerats des Buntsandsteins identisch sind, das auch oberhalb des Ortes ansteht. Der Boden der Terrasse sowie der untere Teil des rückwärtigen Gehänges besteht aus Bilsteingranit, so daß die Terrasse nicht als Denudationsterrasse aufzufassen ist. Die Rheintalebene hat am Fuß der Berge bei St. Pilt eine Höhe von 220 m, bei Schlettstadt 170 m, der Rhein selbst fließt in etwa 160 m Höhe. Eine ähnliche, nur viel ausgedehntere Terrasse läßt sich vom Forsthaus Eickwald, Nordrand des Meßtischblattes Barr aus beobachten. Die Höhe beträgt zwischen 350 und 380 m, das Rheintal liegt bei Bischofsheim etwa 200 m tiefer, der Rhein bei Altenheim fließt in etwa 140 m über NN. Die Terrasse breitet sich über Lias und Buntsandstein aus, ist also ebenfalls keine Denudationsterrasse. Möglicherweise lassen sich hier noch Schotter finden, da zum Teil auch Lehme die Oberfläche bilden. Aus der starken Zerstückelung geht hervor, daß die Terrasse recht alt ist. Die Terrasse, die schönste mir bekannte am Vogesenrande, liegt etwa 200 m über dem Rheintal. Zum Oberpliocän gerechnete Sande, die sich durch ihre weiße, gelbliche oder hellrote Farbe auszeichnen, und wie bekannt im Unterelsaß und anderen Gebieten eine weite Verbreitung haben, liegen etwas weiter südlich bei Dambach und Epfig, wo sie bis 263 m ansteigen. Hier sind ihnen Blocklehme zwischengelagert, während das sonst meist nicht der Fall ist. ...