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Die Begriffe Orogenese und Epirogenese

Stille, Hans

Kurzfassung

Einleitung: Bedeutung der Epirogenese bei morphologischen und tektonischen Studien. Die Beschäftigung mit denjenigen tektonischen Vorgängen, die gegenüber den eigentlichen Schichtendislokationen im wesentlichen auf vertikale Niveauveränderungen hinauskommen und die wir als die epirogenetischen bezeichnen, ist in den Kreisen der Geologen und ganz besonders in den Kreisen der deutschen Geologen recht gering, vielmehr absorbieren den Geologen in tektonischen Fragen fast ausschließlich die eigentlichen Dislokationsvorgänge. Demgegenüber hat die Epirogenese in hohem Maße von geographischer Seite Beachtung gefunden. Es ist das zunächst zu verstehen, nachdem sich einmal eine Arbeitsteilung, - man mag über sie denken wie man will -, entwickelt hat, die dem Geographen (Morphologen) die Erklärung der Morphologie der Oberfläche, dem Geologen die Erklärung der Struktur des Untergrundes zuweist; die Erklärung der Oberflächenformen fußt aber immer wieder auf jenen Verhältnissen, die die exogenen Vorgänge der Denudation und z. T. auch der Sedimentation bedingen und verändern, und unter diesen steht die Epirogenese voran. Ist doch überhaupt für viele Morphologen der geologische Bau des Untergrundes zu einer großen Nebensächlichkeit geworden gegenüber dem Wechsel der Erosionsbedingungen im Zusammenhange mit allgemeinen Niveauveränderungen (Epirogenesen). Aber die Epirogenesen sind nicht nur Vorgänge der Jetztzeit und jungen geologischen Vergangenheit, - mögen sie hier auch besonders augenfällig sein -, sondern sie haben sich ebensogut in älterer geologischer Vorzeit ereignet, haben in bezug auf diese aber gegenüber den eigentlichen gebirgsbildenden Vorgängen, die uns viel greifbarer überliefert sind, viel zu wenig Beachtung gefunden. Und doch stehen sie diesen an Bedeutung gewiß nicht nach, wenn man, wie v. Staff mit Recht fordert, das Volumen der erreichten Massenbewegungen zum Kriterium für die tektonische Bedeutsamkeit einer geologischen Periode macht v. Staff hat auch wohl nicht Unrecht, wenn er die unzureichende Beachtung der epirogenetischen Verhältnisse zum Teil auf das Vorbild von Eduahd Suess zurückführt, der von epirogenetischen Bewegungen nicht viel wissen und sie höchstens als rein ,örtliche Vorkommen" gelten lassen wollte. ...