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Über kretazische Deckenergüsse im Pontischen Küstengebirge Kleinasiens

Fliegel, G.

Kurzfassung

Als ich in der Februar Sitzung des vergangenen Jahres an dieser Stelle ,Über Karbon und Dyas in Kleinasien - nach eigenen Reisen" sprach, habe ich Gelegenheit genommen, mich auch mit einigen Worten über die das Steinkohlenbecken von Eregli allseitig begrenzenden Kreideablagerungen zu äußern. Ich sagte damals: ,Im Westen grenzen die Karbonschichten an jüngere Bildungen, an eine flach liegende, aus Andesit und vulkanischen Tuffen bestehende Decke, die im Hinterlande von Eregli weit verbreitet ist und sich allem Anschein nach um das ganze Karbonbecken bis hin zum unteren Filiasfluß herumschlingt. Diese Decke hat senones Alter, denn ich fand in ihren Tuffen unter eifriger Mitwirkung von Herrn Bergreferendar Schrödter - meines Reisebegleiters, des Herrn Dr. Seitz, hatte ich einleitend gedacht - reiche Faunen mit Inoceramus balticus und Ananchytes ovata; auch ist sie stellenweise von senonen Mergeln überdeckt." Es lag außerhalb des Rahmens jenes Vortrages, des näheren auf die stratigraphischen Verhältnisse der Kreide des pontischen Küstengebietes und auf die allgemeinere Bedeutung der dort nachgewiesenen kretazischen Andesitdecken einzugehen. Die heutigen Mitteilungen von Herrn Wolff sind mir aber ein willkommener Anlaß, etwas mehr darüber zu sagen, und das um so mehr, als die Frage für erhebliche Gebiete Kleinasiens von Belang ist. Dafür müssen wir uns zunächst darüber klar sein, welchen gewaltige Ausdehnung im Oberflächenbilde Anatoliens vilkanische Massenergüsse haben. Sie prägen sich im Trockengebiet des Landesinnern als besonderer Landschaftstyp mit ihren schroffen dunklen Felswänden, den steinbesäten, kahlen Hängen, der Wasserarmut, der bis zur Trostlosigkeit gesteigerten, an die Felswüste gemahnenden Vegetationsarmut aus. Ungeheuerliche Ausdehnung haben sie in den östlichen Teilen des Landes, in Armenien, indem zahlreiche Decken von gewaltiger Ausdehnung sich von der Küste des Schwarzen Meeres bis zum Wan-See und weiter südwärts bis nach Diarbekr und Urfa erstrecken. ...