Original paper

Über den Nachweis von Spuren alter Flußläufe in Höhlen im westlichen Thüringer Wald

von Wichdorff, H. Hess

Kurzfassung

Die Höhlenforschung hat bisher vorwiegend diluvialpaläontologischen und vorgeschichtlichen Zwecken gedient. Auf rein geologischem Gebiete sind die Höhlen bisher auffallend vernachlässigt worden. Aber gerade die Höhlen scheinen berufen, dem Geologen in manchen Fragen wichtige Nachweise und Erkenntnisse zu liefern, besonders da, wo die Erosion im Gebirge inzwischen ganze Schichtenglieder zerstört hat und nur noch die Höhlen mit ihren alten Flußschottern und Kiesen von ihrem ehemaligen Vorhandensein sicheres Zeugnis ablegen. Es handelt sich hier nicht um abgeschlossene Untersuchungen über den Verlauf präglazialer und diluvialer Flüsse Thüringens, vielmehr nur um eine Anregung, bei derartigen Arbeiten besonders auch die Aufschlüsse in den Höhlen heranzuziehen. Am Nordabhang des nordwestlichen Thüringer Waldes erhebt sich unweit von Bad Thal bei dem in einer Meereshöhe von etwa 340 m gelegenen Dorfe Seebach das hohe bewaldete Bergmassiv der Wartberge, steil ansteigend bis zu einer Höhe von 554 m. Schon von weitem gesehen offenbart sich der isolierte Bergstock der Wartberge als eines jener charakteristischen Zechstein-Dolomitriffe, die den Thüringer Wald im Norden und Süden umsäumen. Dicht unter dem östlichen als Gr. Wartberg bezeichneten, an dieser Stelle etwa 525 m hohen Gipfel des Tafelberges liegt der Eingang zu einer schon im Mittelalter bekannten Höhle, im Volksmunde das ,Backofenloch" genannt. Das Höhlenmundloch befindet sich am Steilabhang des Wartbergs nach Seebach zu ungefähr in 500 m Meereshöhe. Bereits der erste runde Vorraum der Höhle zeigt an den Wänden drei tiefausgekolkte, durch Wasser geglättete Hohlkehlen als Erosionsrinnen übereinander, die dem ganzen Höhlengang entlanglaufen bis zur großen Schlotte, die den Mittelpunkt der Höhle und überhaupt die Ursache zu ihrer Bildung darstellt. ...