Original paper

Zur Kaolinfrage

Finckh, L.

Kurzfassung

In der Gegend von Strehlen und Münsterberg, sowie im Zobtengebiet wurden durch Herrn J. Behr und mich gelegentlich der geologischen Aufnahmen an den dortigen Kaolinvorkommen Beobachtungen gemacht, die uns unabhängig von einander zu der Überzeugung führten, daß diese Kaolinlagerstätten an Spalten gebunden sind. Diese Erkenntnis führte uns dazu, zu erwägen, ob diese Vorkommen nicht doch in genetischem Zusammenhang mit hydrothermalen Vorgängen stehen. Sie wären dann also nicht wie Stahl in seiner Arbeit über die Verbreitung der Kaolinlagerstätten in Deutschland ausführt, seinen exogenen Kaolinen zuzurechnen, sondern würden endogene Kaoline darstellen. Die Kaoline in dem von mir untersuchten Gebiet in der weiteren Umgebung von Zobten sind aus Graniten hervorgegangen. Sie liegen zum Teil auf primärer Lagerstätte, zum Teil sind es umgelagerte Kaoline auf sekundärer Lagerstätte. Zu den letzteren gehören besonders die tertiären Kaolintone. Stahl bringt die Entstehung der Kaolinlager bei Saarau sowie bei Kallendorf und Gohlitsch in Beziehung zu den Braunkohlenvorkommen dieses Gebiets und vertritt also die Ansicht, daß die Zersetzung der Granite unter der Einwirkung der Moorwässer vor sich gegangen sei. Diese Erklärung hat ohne Frage vieles für sich; sie hat daher auch bisher in weiten Kreisen Anklang gefunden. Meine Untersuchungen in den Granitgebieten am Zobten und in seinem Vorland haben in mir Zweifel an der Richtigkeit dieser Auffassung für mein Gebiet aufkommen lassen, so daß ich in den Erläuterungen zu Blatt Zobten die Frage nach der Entstehung dieser Kaoline dahin beantwortete, daß manche Beobachtungen auch für postvulkanische Prozesse sprechen. ...