Original paper

Zu welch schweren Schäden führt eine übertriebene Betonung der Geologie in der Geographie?

Penck, Albrecht

Kurzfassung

Der Grundgedanke des Briefes ist, daß derjenige, welcher amtlich berufen ist, die Geographie als Lebensaufgabe zu betreiben, nicht noch so nebenbei vollwertige geologische Arbeit leisten könne, er müßte denn die Geographie ganz vernachlässigen. Mit Verwunderung habe ich diesen Satz gelesen, der eine chinesische Mauer zwischen zwei Wissenschaften errichten möchte, die dicht nebeneinander stehen. Blühen können die Wissenschaften nur, wenn sie sich nicht voneinander isolieren, sondern in steter Berührung miteinander bleiben. Um diese Berührung zu vermitteln, muß es Männer geben, die in mehreren Wissenschaften daheim sind. Solche, die in zweien Heimatrecht erworben haben, sind unbedingt nötig, um die Grenzgebiete zwischen beiden zu bearbeiten, die brach liegen würden, wollten sich die Gelehrten immer nur auf eine Wissenschaft beschränken. Ein entsetzlicher Zunftgeist würde erwachsen, wenn gar den Professoren eines Faches untersagt würde, sich auch auf dem ihnen vertrauten Gebiete eines Nachbarfaches zu betätigen. Das aber ist, kurz gesagt, der Sinn des Briefes der Herren Branca und Kayser. Ich diene ihnen als Beispiel für die Schädigung, welche einer Wissenschaft erwächst, wenn ihr angestellter Vertreter sich mit einer anderen Wissenschaft abgibt außer derjenigen, für die er Professor ist. Aber ihre Beweisführung gipfelt nicht etwa im Nachweise der Nachteile, die der Geographie dadurch erwachsen sind, daß ich mich mein Leben lang auch mit geologischen Fragen beschäftigt habe, sondern was sie zu zeigen suchen, ist vielmehr, daß meine Arbeiten auf geologischen Gebiete der Geologie Schaden gebracht hätten. ...