Original paper

Das Rätsel der Lößbildung

Keilhack

Kurzfassung

Seit vielen Jahren, und in den verschiedensten Teilen Europas mit den Ablagerungen der Lößformation vertraut, habe ich immer mehr die Erkenntnis gewonnen, daß die Sicherheit, mit welcher unsere Lehrbücher sich zur Frage der Entstehung des Löß und seiner Herkunft äußern, im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Begründung steht und zu leicht dahin führen kann, die heute herrschende Lehrmeinung zum Dogma erstarren zu lassen und weiteren Fortschritten der Erkenntnis hemmend im Wege zu stehen. Zwar ist gerade in den letzten Jahren eine ganze Anzahl von Arbeiten erschienen, die sich mit dem Löß beschäftigen, aber sie behandeln seine genaue Altersstellung und sein Verhältnis zu Eiszeiten und paläolithischen Kulturen, ohne auf seine Herkunft und Entstehung einzugehen. (Wiegers, Sörgel, Hilber, Geyer, Gutzwiller, Menzel.) Ich habe kürzlich (Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Ges. 1919) versucht, durch eine bildliche Darstellung der Nordgrenze des Löß eine der seit A. Pencks Jugendtagen umgehenden Legenden der Lößablagerung, seine von ihm behaupteten gesetzmäßigen Beziehungen zu den Ablagerungen der verschiedenen Eiszeiten, zu zerstören und durch die Erkenntnis der völligen Unabhängigkeit seiner Verbreitung von der der Glazialablagerungen zu ersetzen. Diese Karte hat mich dann zu dem Versuch angeregt, eine Darstellung der Verbreitung des Löß auf der Gesamterde zu versuchen. Ein solcher läßt sich für Europa gut durchführen, aber für Asien und Amerika ergeben sich so viele Schwierigkeiten, daß die Darstellung auf der beigegebenen Weltkarte für diese beiden Erdteile in Zukunft noch erhebliche Verbesserungen erfahren wird. Ich bitte, sie als einen ersten Versuch nachsichtig zu beurteilen. Als Unterlage dient die in stereographischer Projektion ausgeführte Netzkarte der geplanten geologischen Erdkarte, in welcher die Landzonen in winkeltreuer, aber nur im mittleren Teil der Karte in flächentreuer Projektion wiedergegeben sind. ...