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Transgressionen, Regressionen und Faziesverteilung in der Mittleren und Oberen Kreide des Beckens von Münster

Bärtling, Richard

Kurzfassung

Der große Münsterländische Hauptabbruch wurde von der Transgression der Unteren Kreide nur wenig oder gar nicht überschritten. Die durch die Transgression des Cenomans gebildete Küstenlinie weicht erheblich; von dem heutigen Beckenrand ab; sie lag erheblich südlicher im Sauerlande. Im Cenoman sind bereits erhebliche Faziesverschiedenheiten nachweisbar. Es ist zwischen einer küstennahen Ausbildung im W des Beckens und einer küstenfernen. Ausbildung im O zu unterscheiden. Außerdem müssen die schreibkreideartigen Bildungen zwischen Oeding und Graes, nordwestlich von Ahaus, als küstenferne Seichtwasserbildungen gedeutet werden. Der Essener Grünsand ist nicht eine Zone des Cenomans, sondern eine Fazies, die alle Stufen umfassen kann. Mit Hilfe der zahlreichen Tiefbohrungen und Schachtaufschlüsse ließen sich auf Tafel V die Gebiete ausgrenzen, in denen das Cenoman ganz in Grünsandfazies vorliegt, in denen nur die Zonen des Pecten asper und der Schloenbachia varians in der Fazies des Essener Grünsandes ausgebildet sind, und schließlich die Gebiete, in denen die beiden höheren Zonen normal ausgebildet sind und nur die unterste Zone ganz oder teilweise in der Fazies des Essener Grünsandes auftritt. In der Turonzeit traten mehrere Regressionen ein, die wahrscheinlich örtliche Ursachen in Form von Schollenbewegungen des älteren Gebirges und damit zusammenhängenden örtlichen Verschiebungen der Küstenlinie gehabt haben. Die erste Regression zeigt sich durch das Auftreten des Bochumer Grünsandes, die zweite durch den Soester Grünsand, mit dem der Grünsand der Timmeregge und von Rothenfelde annähernd gleichartig ist. Im zentralen Teile des Münsterschen Beckens fand sich von; diesen Grünsanden keine Spur. Ein abweichende Fazies stellen die Galeritenschichten und die sie begleitenden schreibkreideartigen Bildungen des Turons zwischen Stadtlohn und Ahaus dar. Sie sind eine ausgesprochene Seichtwasserbildung, die beweist, daß die bereits in der Cenomanzeit angelegte Festlandschwelle im östlichen Holland sich weiter herausgehoben hat, ohne in größerer Ausdehnung über dem Meeresspiegel herauszusteigen. In der Zeit des Emschers finden wir nur geringfügige fazielle Verschiedenheiten, in der Nähe des Westrandes fällt aber eine Zunahme des Sandgehaltes in den sonst tonig - mergeligen Schichten auf. Diese hängt wahrscheinlich mit einer weiteren Hebung der Festlandschwelle in den heutigen Niederlanden zusammen. Die auffälligsten Verschiedenheiten der Fazies zeigt das Untersenon. Im ganzen W des Münsterschen Beckens herrschen hier sandige Gesteine vor, während im O küstenferne Ablagerungen in Form von tonigen Mergeln und mergeligen kalken gleichzeitig abgesetzt wurden. In der Gegend von Oberhausen, Mülheim-Ruhr und Essen zeigt sich, daß das Untersenon über die unterste Zone des Turons transgrediert. Dieses hängt damit zusammen, daß gegen Ende der Emscher-Zeit oder zu Beginn des Untersenons im Gebiet des heutigen Rheintalgrabens eine starke Senkung eintrat. Hierdurch trat eine Ueberflutung von W her ein, die Teile des Turons bis auf schwache Beste zerstörte. Die hierbei gebildeten Grünsande und sandigen Mergel stellen die Verbindung zwischen den Vaalser Grünsanden und dem Aachener Untersenon mit dem Becken von Münster dar. ...