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Über Stauung und Zerrung durch einmalige und wiederholte Störungen

Haarmann, Erich

Kurzfassung

Einleitung: Infolge des Krieges und längerer Auslandsreisen ist es mir erst jetzt möglich, einige seit Anfang 1916 in den Hauptzügen fertiggestellte telefonische Studien abzuschließen und in Druck zu geben. Nur in einer Notiz über die telefonische Geschichte Mexikos (Centralbl. f. Min. 1917, S. 176-179) habe ich meine Gedanken über gebirgsbildende Vorgänge kurz dargestellt. Ein Teil meiner Untersuchungen wurde mir ermöglicht durch eine von der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin gewährte Beihilfe, wofür ich auch an dieser Stelle meinen Dank sage. - Die nachstehenden Ausführungen müssen wegen des beschränkten Baumes teilweise in sehr knapper Form gebracht werden. Bei Verfolgung der Ergebnisse tektonischer Untersuchungen stößt man immer wieder auf tiefgehende Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Beobachtern. Die Ursache hierfür ist einerseits die verschiedene Deutung von Beobachtungen, die verschiedenen Arten des Beobachtens, die Unzulänglichkeit der Aufschlüsse, dann aber, wie mir scheint, hauptsächlich der Umstand, daß wir so außerordentlich oft in ein und demselben Gebiet sichere Anzeichen von Zusammenschub und von Zerrung beobachten können. Hieraus folgert der eine als Ursache der gebirgsbildenden Vorgänge Kompression, während der andere auf Zerrung schließt. Das gemeinsame Auftreten von Pressungs- und Dehnungsstörungen, das im Gegensatz zu der in Lehrbüchern vertretenen Ansicht tatsächlich sehr häufig ist und das kinetisch so gegensätzlich erscheint, gehörtgeologisch oft eng zusammen, wie ich dies schon früher hervorgehoben habe. Oft geht es auf einfache, in vielen Fällen aber auf wiederholte Störungen zurück. Solche sind einerseits seit altersher bekannt - ich erinnere in dieser Beziehung nur an die Ganggebiete, in denen jedem Bergmann und Geologen ein wiederholtes Aufreißen der Gangspalten durchaus geläufig ist -, anderseits ist es sehr merkwürdig, daß sie oft nicht erkannt werden und daß häufig ihre Existenz überhaupt bestritten wird. ...