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Über Landschaftsformen in Kleinasien

Fliegel, G.

Kurzfassung

In Gebieten eines Trockenklimas gibt es kaum einen reizvolleren Gegenstand der wissenschaftlichen Betrachtung und des Studiums als die Formen der Landschaft; denn nirgends treten sie unverhüllter hervor als im Herrschaftsbereich eines Klimas, das eine einigermaßen geschlossene Pflanzendecke nicht aufkommen läßt. Was ich aus meinen türkischen Reisen heut in Bildern vorführen und in Worten erläutern möchte, sind jene Formen der anatolischen Landschaft, die dem ganzen inneren Hochlande seinen morphologischen Charakter und seinen geologischen Inhalt geben; es sind die mehr oder minder weiten Ebenen, die, eingesenkt zwischen hoch aufragende Ketten und Gebirgsmassen, bewirken, daß ganz Anatolien ein Hochland ist, aber ein Hochland von eigener Form; denn es ist durch die genannten Gebirge so zerteilt, daß dem Reisenden nicht sowohl das Hochland zum Bewußtsein kommt, sondern immer wieder der Eindruck der Beckenlandschaft, denn die ebenen Landesteile sind allenthalben von hoch aufragenden Gebirgen umrahmt und erscheinen daher zwischen ihnen eingesenkt. Wer wie ich durch alle Teile des weiten anatolischen Landes gekommen ist, dem treten sehr bald zwei Typen dieser Becken entgegen, solche, in denen kaum etwas anderes zu sehen ist, als ein ebener, rings von Gebirgsketten oder auch von vulkanischen Massiven überhöhter Beckenboden; nach den Rändern zu ein bescheidenes gleichmäßiges, oder auch ein gestaffeltes Ansteigen; der Boden oft verkrustet und insonderheit eingenommen von einer Kalkausscheidung, die ich in meinen Tagebüchern als die jüngste, oberflächenbildende Schicht gern als ,Steppenkalk" bezeichnet habe, in tieferen Teilen mitunter reiche Salzausblühungen, dazu weit ausgedehnte Salzsümpfe, die etwa vom Juni ab völlig eintrocknen, aber doch nur auf wenigen, dem Einheimischen bekannten Pfaden gangbar sind; wie ich das im Sultan Sazy und im Sazlyk am Fuße des Erdjias kennen gelernt habe; endlich auch echte Salzseen, deren bekanntester, weil größter, der Tuz Tschölü in der Lykaonischen Senke ist, der ebenfalls trotz seiner Größe der Austrocknung im Spätsommer verfällt und dann sein Salz dem Menschen hergeben muß, denn es wird von der türkischen Salinenverwaltung durch Pflügen gewonnen. ...