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Gebirgsbau der Ostkarpathen, Deckenlehre und Vulkanismus

Quiring, H.

Kurzfassung

In den Monaten vor dem Zusammenbruch der Mittelmächte hatte ich bei der Untersuchung von Erzlagerstätten in den Ostkarpathen (Bistritzgebirge) Gelegenheit, geologische Beobachtungen zu machen. Insbesondere konnte ich einen nahe der Dreiländerecke zwischen Siebenbürgen, Moldau und der Bukowina gelegenen Teil des kristallinen Grundgebirges mit aufgelagerten permischen Sedimenten im Maßstabe 1 : 25 000 kartieren. Über die Ergebnisse werde ich im einzelnen an anderer Stelle berichten; hier möchte ich mir gestatten, nach Besprechung der Tektonik des Bistritzgebirges kurz meine Auffassung von dem Gebirgsbau der Ostkarpathen und den Vorgängen mitzuteilen, die für die Entstehung der tektonischen Erscheinungen maßgebend gewesen sind. Die aufgenommenen Teile des Grundgebirges umfassen das Bergland am linken Ufer der Goldenen Bistritz, das bis zu 1400 m Meereshöhe aufsteigt und in seiner Oberflächengestaltung, vor allem in seinen gerundeten Formen, lebhaft an die deutschen Mittelgebirge erinnert. Am Aufbau nehmen hauptsächlich Glimmerschiefer verschiedenster Zusammensetzung und Ausbildung, Kieselschiefer und kristalline Kalke teil. Die kristallinen Gesteine sind bis auf einige Gneise, die lagenartig den Schiefern und Kalken eingeschaltet sind und deren Struktur auf vulkanische Entstehung hinweist, als regionalmetamorphe Sedimente verschiedenen, jedoch sicher präpermischen Alters zu betrachten. Transgredierend überdeckt wird der kristalline Rumpf von jüngeren nichtkristallinen Ablagerungen (Konglomeraten, Sandsteinen, Schiefern, dolomitischen Kalken), deren stratigraphische Stellung wegen Mangels an fossilen Besten unsicher ist, die jedoch nach dem Vorgänge von A. v. Alth, dessen Ansicht sich C. M. Paul, der hervorragendste Bearbeiter der Geologie der Bukowina, und Uhlig angeschlossen haben, dem Verrucanoder Alpen gleichgestellt werden. Mesozoische Schichten sind im Aufnahmegebiet nicht entwickelt, doch deuten die in der Nachbarschaft an den Flanken des Kerngebirges auftretenden triadischen, jurassischen, kretazeischen Sedimente darauf hin, daß auch im Mesozoikum das Meer verschiedentlich den alten Rumpf, wenn auch nicht vollständig, überflutet haben muß. ...