Original paper

Über Grundfragen alpiner Geologie

Leuchs, Kurt

Kurzfassung

Wenn ich es unternehme, einige teils durch Untersuchungen in den Alpen, teils durch Studium alpin-geologischer Schriften gewonnene Anschauungen darzulegen, so bin ich mir der Schwierigkeiten, welche einer Klärung der Grundfragen alpinen Gebirgsbaues entgegenstehen, wohl bewußt. Ich habe aber den Eindruck, als ob gewisse Erscheinungen in den Alpen bisher nicht allseits die gebührende Beachtung gefunden hätten. Ohne die Würdigung dieser Erscheinungen dürfte es jedoch nicht gelingen, zu dem angestrebten Ziele zu kommen. So mögen meine Ausführungen angesehen werden als ein kleiner Beitrag zur Lösung des großen Problems, welches seit einem Jahrhundert so viele Geologen beschäftigt hat und weiter beschäftigen wird. Manche der hier zu erörternden Fragen hat gerade im letzten Jahrzehnt steigende Beachtung erfahren, ich kann hier nicht die Namen all derer nennen, welche gleich wie ich die Lösung dieser Fragen versuchen, möchte aber nicht unterlassen, diesen Alpenforschern meinen Dank für die in ihren Arbeiten enthaltenen Anregungen auszusprechen. Tektonische Untersuchungen im Kaisergebirge und dem westlich anstoßenden Pendling-Guffertgebiete brachten mich zu der Überzeugung, daß in den nördlichen Kalkalpen zwischen Bodensee und Salzburg gewisse Bauformen durch eine über weite Erstreckung im wesentlichen gleichbleibende Ausbildung und regelmäßige Lagerung zueinander ausgezeichnet sind. Im besonderen wurde für die Kalkhochalpen zwischen Achensee und Kufstein nachgewiesen, daß sie aus einem nördl. und südl. von einer Mulde eingeschlossenen Gewölbe bestehen, daß dieser Faltenbau mittelkretazeischer Entstehung ist und durch die tertiären Bewegungen im Verhältnis zur Gesamtanlage nur unbedeutende Veränderungen erfahren hat. ...