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Einige neue Fundpunkte von Bernstein-Schichten und ihre paläogeographische Bedeutung

Wetzel, W.

Kurzfassung

Die südlichsten deutschen Fundpunkte der interglazialen Eem-Schichten, die durch die Aufsätze von Zeise (Jahrb. Preuß. Geol. Landesanst., 23, 1902), Gagel und Wolff (d. Zeitschr. 70, 1918, S. 79-83 und 173-177) bekannt geworden sind, liegen im Bett des Kaiser-Wilhelm-Kanals. Auch heute, wo keine Aufschlüsse im Anstehenden mehr vorhanden sind, ist die betreffende Gegend noch besuchenswert, da das Baggergut der zweiten Kanalbauperiode auf große Spülflächen nahe den Baggerungsstellen hinaufgespült wurde, wo nun der Fossilinhalt des marinen Interglazials gut zu beobachten ist. Besonders drei solche Spülflächen sind zu erwähnen, bei Fischerhütte, Km. 35 (Südufer des Kanals), an der Haaler Au, Km. 44 und am Meckeisee, Km. 47 (beide auf dem Nordufer). Der ergiebigste Fundort ist bei Km. 44, wo namentlich ungewöhnlich gute Exemplare von Tapes eemiensis Nordm. und große Austern häufig sind. Auch die Eem-Ablagerungen des östlichen Schleswig-Holstein (bekanntlich alle nicht wurzelecht, sondern Schollen in der oberen Grundmoräne), sind deswegen nicht wertlos für die Paläogeographie, denn aus mehreren Gründen dürfte ein weiter Transport dieser Schollen ausgeschlossen erscheinen. So verdient auch die Auffindung einer Scholle von Cyprinenton Erwähnung, die mir im Juli 1914 dicht nördlich Kiel möglich war. Aus dem diluvialen Untergrund der Förde nördlich: des Holtenauer Kanalemganges bei Voßbrook förderte der Spülbagger bei den derzeitigen Hafenbauten große Klumpen grauen Tones mit folgenden Fossilien, die zum größeren Teil von Herrn E. Wüst bestimmt wurden: Ostrea edulis, Mytilas edulis, Cardium edule, Cardium echinatam, Cyprina islattdica, Tapes eemiensis, Corbula gibba, Mya truncata, Nassa reticulata, Scalaria communis (bemerkenswert häufig), Odostomia sp., Bittium reticulatum, Hydrobia ulvae, Baianus porcatus, Echinocyamus pusillus. Es ließ sich erkennen, daß die Verteilung dieser Fossilien nicht ganz gleichmäßig war, gewisse Tonlagen erscheinen durch relative Häufigkeit von Bittium, andere durch Ostrea und noch andere durch das Vorkommen von Echinocyamus ausgezeichnet, ähnlich wie man auch bei Stensigmos feinere faunistische Gliederungen innerhalb des Cyprinentons wahrnehmen konnte. ...